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„Wir alle sind Kirche“:Gehen oder bleiben: Auseinandersetzung mit dem Thema Kirchenaustritt

Eine Talkrunde im Bildungshaus auf dem Kyllburger Stiftsberg beleuchtete das Thema.
Sie diskutierten in Kyllburg über Gehen oder Bleiben: : Silke Aurora, Ralf Thome, Pastor Klaus Bender, Emilie Wiese, Moderator Herbert Fandel, Michael Leuschen und Christian Thome.
Datum:
4. Apr. 2023
Von:
Rolf Lorig

Kyllburg – Gehen oder in der Kirche bleiben? Laut der Statistik der deutschen Bischofskonferenz (DBK) vom Sommer 2022 haben 2021 genau 359.338 Menschen ihren Austritt aus der katholischen Kirche vollzogen. Gemessen an der Gesamtzahl der Bevölkerung liege der Anteil der Katholiken derzeit noch bei 26 Prozent. Eine drängendes Thema also für die katholische Kirche, das die Verantwortlichen im Pastoralen Raum Bitburg zusammen mit der Katholischen Landvolkbewegung im Bistum Trier aufgegriffen und in einer Talkrunde am 2. April im Bildungshaus auf dem Kyllburger Stiftsberg beleuchtet haben.

Unter der Moderation des Pianisten und früheren Bundesliga-Schiedsrichters Herbert Fandel brachten sich sechs Gäste ein: zwei Männer, die die Kirche verlassen haben, ein Journalist, der sich mit dem Gedanken trug, es dann aber doch nicht machte, eine Vertreterin der jungen Generation, eine evangelische Christin und ein Pfarrer. Silke Aurora, Klaus Bender, Michael Leuschen, Christian Thome, Ralf Thome und Emilie Wiese gaben spannende Einblicke in ihre Überlegungen, und auch die gut 70 Menschen im Publikum beteiligten sich rege. Denn: „Kirche ist offenbar out, wenn man auf die Zahl der Gottesdienst-Besucher blickt, aber in, wenn das Thema in solchen Gesprächen behandelt wird“, wie Moderator Fandel es zuspitzte.

Alle Teilnehmenden äußerten ihre Gedanken, allen zollte das Publikum den gleichen Respekt. Man hörte einander zu, dachte nach. Was, so eine Teilnehmerin, man sich auch von den Verantwortungsträgern der Katholischen Kirche wünsche. Immer wieder gab es spontanen Applaus. Etwa dann, wenn die Forderung kam, dass sich die Kirche ändern und endlich auch die Interessen der Frauen berücksichtigen müsse. Es gebe schlicht keinen Grund, weshalb nur Männer zur Priesterweihe zugelassen seien. Bei der Gleichbehandlung waren sich die Gesprächsteilnehmenden darüber einig, dass es in den Pfarreien jede nur denkbare Bemühungen gebe, Frauen verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen. Fandel fasste an dieser Stelle die Meinungen zusammen: „Das Problem liegt nicht bei den Pastören vor Ort, es beginnt in der Deutschen Bischofskonferenz und endet im Vatikan.“

So absolut wollte eine Besucherin diese Aussage aber nicht stehen lassen. Jeder Einzelne sei gefordert, es nutze nichts, mit dem Finger auf andere zu zeigen: „Wir alle sind Kirche. Wenn wir uns zusammentun, können wir auch dicke Mauern durchbrechen.“ Dass dafür allerdings sehr viel Zeit erforderlich sei, darüber gab es keinen Dissens.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem Bettinger Chor tonArt unter der Leitung von Karin Stockemer; sie endete mit einem Abendlob in der Stiftskirche Kyllburg.