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Der Diakonat macht den Arztberuf rund

Die Frage, wie denn ausgerechnet die Berufe Arzt und Ständiger Diakon zusammenpassen, hört Dr. Veit Engst nicht zum ersten Mal. Am kommenden Samstag wird er in Trier geweiht.
Foto: privat
Datum:
23. Juni 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier - Es sei schon seltsam, als einziger Kandidat für die Weihe zum Ständigen Diakon vor dem Bischof zu stehen. Dennoch hat sich Dr. Veit Engst für die Solo-Weihe entschieden, um „loslegen zu können“. Die Frage, wie denn ausgerechnet die Berufe Arzt und Ständiger Diakon zusammenpassen, hört Dr. Veit Engst nicht zum ersten Mal. Gerade sie ist es aber auch, die ihn nach etwa zehnjähriger „Bedenkzeit“ zur positiven Entscheidung und auf seinen Weg geführt hat, der am Samstag, 25. Juni, an einer wichtigen Station ankommt: Bischof Dr. Stephan Ackermann weiht den aus der Eifel stammenden, in Mertesdorf bei Trier aufgewachsenen Neurochirurgen zum Diakon (vgl. „Paulinus“ vom 19. Juni, Seite 8).

„Es gibt viele Fragen, die ich als Arzt ziemlich schnell beantworten kann. Aber was sage ich dem 30-jährigen Vater von zwei kleinen Kindern, der einen Hirntumor hat, den ich operieren werde, der aber fragt, was passiert, wenn er trotzdem stirbt?“ Solche Begegnungen aus seinem beruflichen Alltag hätten ihn nie wirklich losgelassen, seien im Gegenteil immer drängender geworden. Und sie fielen auf eine Basis, die im „gut katholischen Elternhaus“ grundgelegt, im Laufe der Jahre aber „eher verschütt gegangen“ waren. „Wir sind halt in die Messe gegangen“, beschreibt Ehefrau Jutta Engst das gemeinsame „Zwischenstadium“ nach Engagement in der Jugend als leidenschaftliche Messdiener.

1993 lernten sich der Arzt und die Krankenschwester aus Detzem im Trierer Brüderkrankenhaus kennen, heirateten, bekamen die Töchter Tabea und Eva – und machten sich vor allem in Zusammenhang mit deren Erziehung zunehmend Gedanken um ihren Glauben. 2004 wechselte Engst als Belegarzt ins Krankenhaus Bitburg und eröffnete das Neurozentrum Eifel, in dem er mittlerweile  mit einem Kollegen für elf Mitarbeiter zuständig ist. Drei Jahre später zog die Familie nach Wißmannsdorf. In der Pfarrei St. Matthias wurden aufgrund langer Vakanz zahlreiche Aufgaben von rührigen Ehrenamtlern übernommen. „Wir waren schnell aufgenommen und engagiert“, stimmen Jutta und Veit Engst schmunzelnd überein. Den „Dokter“, wie er in der Dorfgemeinschaft liebevoll genannt wird, trieb immer wieder die Frage um, wie er den Unterschied zwischen „helfen“ und „heilen“ besser bewältigen könnte, was er Patienten in schwierigen Situationen und mit ihren vielen Fragen anbieten könnte, statt sie alleinzulassen. „Als ich dann selber um die 50 war, sagte ich mir, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Theologiestudium sei: wenn nicht jetzt, dann nie.“

Im Januar 2019 begann er 53-jährig den „Würzburger Fernkurs“. Zweieinhalb Jahre lang dauert dieses Studium, das dem Mediziner alles andere als leicht gefallen sei. „Es hat eine Zeit gedauert, bis ich gelernt habe, wie man geisteswissenschaftlich lernt“, gesteht Veit Engst. Und auch der zeitliche Faktor sei nicht wenig fordernd gewesen: aus dem OP zur spirituellen Begleitung übers Wochenende nach Springiersbach und dann wieder zurück in den Praxisalltag. „Es war aber deutlich spürbar, dass ihm das gut tut, wenn er nicht nur mit Medizin zu tun hat“, betont Jutta Engst.

Da sich in der Eifel (und nicht nur da) solche gravierenden Lebensentscheidungen nicht geheimhalten lassen, hörten der Arzt und seine Frau sehr bald erste Kommentare: Abgesehen davon, dass er schon mit „Herr Pastor“ angesprochen wurde, sei vor allem die Freude in der 11 000 Seelen-Gemeinde mit einem Pfarrer und einer Gemeindeassistentin über die nahende Verstärkung sehr groß gewesen. In der früheren Pfarreiengemeinschaft Rittersdorf – heute ist es die Pfarrei St. Matthias Südliche Eifel – habe es zudem noch nie einen Diakon gegeben.  Ein wenig Sorge hat Jutta Engst, dass es viel zu viel werden könnte für ihren zu Perfektionismus neigenden Mann.

Der gibt zu, beim Weihekurstreffen im Januar „mal ziemlich am Boden“ gewesen zu sein wegen  den Themen in Zusammenhang mit der kirchlichen Sexualmoral und Missbrauch. „Ich kann aber versuchen, es besser zu machen, ein authentisches Bild von Kirche zu geben. Schließlich geht es ja nicht um die Institution, sondern um Gott und sein Dasein für uns Menschen“, betont Engst, der darauf brennt, loslegen zu können – auch mit seinem Praxisprojekt nach Coronapausen: Mit neun Ehepaaren aus der Pfarrei gehe es nach dem Auszug der Kinder um Neuorientierung und Sinnfindung unter Einbeziehung von Gott.

(Christine Cüppers)

Der Weihegottesdienst findet am Samstag, 25. Juni ab 10 Uhr, im Trierer Dom statt und kann im Livestream mitverfolgt werden.