Bischof Bätzig predigte bei Josefswallfahrt in Merzig:Der heilige Josef – ein Gestalter voller Gottvertrauen

Merzig – Bis auf den letzten Platz voll besetzt war die Merziger Kirche St. Josef anlässlich der Wallfahrt zu Ehren ihres Schutzpatrons. Mehrere hundert Gläubige waren gekommen, um den heiligen Josef zu feiern, aber auch wegen des hohen Besuchs in dem architektonisch reizvollen Gotteshaus. Dr. Georg Bätzing, seit 2016 Bischof von Limburg und seit 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, war zur traditionellen Josefswallfahrt nach Merzig gekommen und wurde von den Pilgerinnen und Pilgern mit Applaus begrüßt.
Bätzing würdigte in seiner Predigt Josef als eine stille Person im Hintergrund, an der aber viel hänge. Außerhalb der beiden Kindheitsgeschichten der Evangelisten Lukas und Matthäus finde sich nur ein einziger Hinweis auf ihn: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“, hätten die Menschen in Nazareth gefragt. Im Lukas-Evangelium trage Josef im Vergleich zu Maria die Nebenrolle. Über ihn als Vater werde Jesus in die edle Linie des Königshauses David eingegliedert. Nur Matthäus befasse sich ausführlicher mit Josef, wenngleich kein einziges Wort von ihm überliefert sei. „Ein stiller Typ ist er, so wie es auch heute – in einer lauten, wortstarken, kommunikationsüberfluteten Welt die stillen Menschen gibt, die sich sehr wohl ihre Gedanken machen, ihren Aufgaben nachgehen und ihre Verantwortung tragen, ohne aber viel Aufhebens davon zu machen“, betont Bätzing: „Gott sei Dank gibt es diese Menschen – und unter uns hier, den Verehrerinnen und Verehrern des Heiligen Josef – werden nicht wenige solcher stillen Typen sein, die sich von Jesus und seinem Vater Josef gesehen und geschätzt wissen dürfen“, sagte der Bischof.
Josef habe für seine Familie gesorgt und sie beschützt. Gerecht sei er und offensichtlich sensibel gewesen, denn seine schwangere Verlobte wollte er nicht bloßstellen. Angesichts drohender Gefahr sei er nicht verängstigt erstarrt, sondern habe gehandelt „Was wir an Jesus bewundern, spiegelt auch etwas von Josef, dem stillen, dem handfesten, dem gläubigen Mann voller Gottvertrauen. Für mich ist er ein Mensch, der wahrgemacht hat, was ich irgendwann einmal gelesen und mir gut gemerkt habe: „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist der, sie selbst zu gestalten‘”, zitiert Bätzing den 16. US-Präsidenten Abraham Lincoln. „Und das ist wirklich eine gute christliche Maxime für unsere Zeit.“
Ein fastenzeittaugliches Geschenk für den Bischof

Für die musikalische Gestaltung des Festhochamtes zeichnete Jürgen Diedrich verantwortlich. Er hatte eigens für das Festhochamt einen Projektchor zusammengestellt. Dieser setzte sich aus Mitgliedern der Kirchenchöre St. Josef Merzig und Cäcilia Besseringen, dem Mendelssohn-Chor Saarlouis-Roden und dem Choeur L’Allégrette aus Thionville zusammen. „Einfach war es nicht, für einen Vormittag mitten in der Woche genügend Sängerinnen und Sänger zusammen zu bekommen“, so der Chorleiter und Organist. Solistisch glänzten die Sopranistin Ute Nehrbauer und der Tenor Minchia Shia.
Dekan Patrik Schmidt überreichte Bischof Bätzing im Anschluss ein „fastenzeittaugliches“ Geschenk: einen alkoholfreien Apfelperlwein aus der Viezregion Merzig. Über die Mittagszeit konnten sich die Gläubigen mit Gulaschsuppe aus der Küche des Malteser Hilfsdienstes stärken oder sich von der Abiturienten und Abiturientinnen des Gymnasiums am Stefansberg mit Kaffee und Kuchen oder Schnittchen und Kaltgetränken verwöhnen lassen. Mit aufgefüllten Speichern konnte dann am Nachmittag der Kreuzweg von der Josefskapelle auf den Kreuzberg in Angriff genommen werden.
Info: Die Verehrung des heiligen Josef hat in Merzig eine lange Tradition: 1677 wurde in Merzig die Josefskapelle errichtet. Merziger Bürger hatten sie zum Dank nach dem überstandenen Krieg und zum Dank nach überstandenen Plünderungen und Brandschatzungen im Saartal gestiftet. 166 Jahre später wurde die Kapelle eine Wallfahrtsstätte: Am 19. März 1843 betete der sogenannte „krumme Nekla“ in der Kapelle und wurde auf wundersame Weise von seinen Leiden geheilt. Seit 1844 kamen jedes Jahr tausende Pilgerinnen und Pilger zum Josefstag nach Merzig mit Ausnahme der Jahre 1940, 1944 und 2020.