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Vielen Ukraine-Flüchtlingen fehlen reale Treffpunkte. Die Lücke schließt nun das Momentum.:Ein Stück Heimat für zwei Stunden

Vielen Ukraine-Flüchtlingen fehlen reale Treffpunkte. Die Lücke hat der kirchliche Begegnungsort Momentum in Neunkirchen geschlossen, in dem er Geflüchtete und ihren Gastfamilien einen Raum zum Kennenlernen bot.
Der deutsch-ukrainische Treffepunkt im momentum in Neunkirchen bot Geflüchteten und ihren Gastfamilien einen Ort der Begegnung. Foto: Anja Kernig
Datum:
9. Mai 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Neunkirchen – Besser geht’s nicht. Aufmerksame Gastgeberinnen zu sein, haben die Damen vom „Momentum – Kirche am Center“ in Neunkirchen geradezu perfektioniert. Wer das helle, einladende ehemalige Ladenlokal auf der Bliespromenade betritt, wird umgehend mit einem herzlichen Lächeln und ein paar netten Worten begrüßt. Ganz schnell kommt die Frage: „Was kann man Ihnen Gutes tun?“ In der Regel duftet das Gute nach frisch gebrühtem Kaffee oder löscht in Form von Sprudel den Durst. Oft bekommt der Gast ein Stück frisch gebackenen Blechkuchen, dazu ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte. Und auf Wunsch gern auch Kontaktvermittlung zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten.

Von all dem und der vorhandenen Infrastruktur sollen ab sofort auch Frauen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, profitieren. „Mit unserer starken Netzwerkstruktur und dem vielfältigen Beratungsangebot im Momentum sind wir bestens aufgestellt“, stellte Gemeindereferentin Katja Groß fest. „Klar gibt es bereits viele Angebote für Flüchtlinge. Aber mit christlichem Drumherum ist es einfacher“, ergänzt ihre Kollegin, Pastoralreferentin Jennifer Schmitt, und erklärt, was die Gemeinde und das Team zu diesem Schritt bewogen hat. So niedrigschwellig wie möglich soll das Angebot sein. Zudem zeigt die Erfahrung, dass es gerade für ältere Frauen, die wenig oder gar nicht über Social Media vernetzt sind, zu wenige Austauschmöglichkeiten gibt. „Es geht ja nicht nur um konkrete Ratschläge, wo man was bekommt, Anträge stellt oder Ähnliches.“ Bedarf besteht vor allem auch an einem Ort, wo man in der Muttersprache reden kann, Sorgen und Ängste teilt und wieder Mut schöpft fern der Heimat.

Am letzten Samstag im April war es so weit. Als Betroffene konnten Halina Melnyk, Altenpflegerin aus Ivankov, sowie Hanna und Maria Mikheieva begrüßt werden, die ihre Heimatstadt Kiew verlassen mussten. Mit an den langen Tisch setzten sich Ehrenamtliche der Bürgerinitiative Stadtmitte, die ebenfalls Unterstützung signalisierten. Was nicht geklappt hatte, war das Organisieren eines Dolmetschers. „So haben wir jetzt eine Situation, wie sie eben gerade nicht sein sollte“, bedauerte Jennifer Schmitt, dass man einander nicht versteht. Trotz etlicher Versuche, jemanden aus dem örtlichen Dolmetscher-Pool zu engagieren, konnte kein Übersetzer gefunden werden. Etwas Abhilfe brachten die gängigen Übersetzungs-Apps auf den Smartphones, dank derer man sich doch noch, wenngleich umständlicher, austauschen konnte.

„Aus meiner Erfahrung heraus ist der Bedarf nach einem eigenen Raum am größten“, sagte Heike Kirch aus Kirkel. Bereits im März haben die ausgebildete Krankenschwester und ihr Mann die dreiköpfige Familie Mikheieva bei sich aufgenommen. „Die Ukrainerinnen brauchen einen Ort, wo sie selbst füreinander da sein können.“ Klassische Hilfe zur Selbsthilfe also. Denn genetzwerkt  wird bereits fleißig. Anna, eine studierte Kosmetikerin, sei da sehr engagiert. Mit ihrem 23-jährigen Sohn und der 18-jährigen Tochter ist sie in der Einliegerwohnung der Kirchs untergekommen. Kind Nummer drei, Sohn Sascha, besucht ein Sport-Internat in Slowenien. „Der Einzige, für den noch so etwas wie Normalität herrscht.“ In Kiew zurücklassen musste die Familie den Vater, der als Polizist arbeitet, und den Verlobten der Tochter. „Entsprechend düster ist oft die Stimmung bei uns“, leidet Heike Kirch mit. Schön für die Mikheievas: Ihre beiden Hunde durften mit einziehen – alles andere als selbstverständlich. „Niemand wollte jemanden mit Haustieren aufnehmen“, ärgert sich das Ehepaar Kirch rückblickend. Auf der Flucht und beim Neustart in der Fremde geben die Tiere Halt und Lebensfreude.

Wenn der Wunsch, nach persönlichen Treffen und Austausch weiter besteht, ist eine Wiederholung des deutsch-ukrainischen Treffpunkts möglich. Die ehrenamtlichen Helfer begleiten die Treffen im Hintergrund und sind zur Stelle, wenn sie gebraucht werden – auch für einen Tee oder ein Stück Schoko-Brownie. Den man sich beim Kennenlerntreffen gemeinsam – über alle Sprachbarrieren hinweg – schmecken ließ.

Mehr Infos:

Momentum – Kirche am Center, Bliespromenade 1 in Neunkirchen

www.momentum-nk.de

Tel.: 06821-1799567

momentum-nk(at)bistum-trier.de

(red)