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Passionsspiele Rieden:Kulissen zeigen originale Orte

Für die Wirkung von Passionsspielen sind auch die Bühnenbilder wichtig. Diese hat Restaurator Hermann Krause aus Bonn für die Aufführungen in Rieden geschaffen. Der „Paulinus“ hat mit ihm gesprochen.
Vor einer fertigen Kulisse zeigt Hermann Krause seinen Entwurf des Szenenbildes.
Datum:
5. Apr. 2025
Von:
Elvira Bell/Paulinus Wochenzeitung im Bistum Trier

Rieden - „Vor eineinhalb Jahren fragte mich der Riedener Vorstand, ob ich mir vorstellen könnte, neue Kulissen für die Passionsspiele 2025 zu entwerfen. Ein Mitglied hatte Landschaftsaquarelle aus meinem Portfolio gesehen und war begeistert“, berichtet der 62-Jährige. Für die erste Szene „Einzug Jesu am Palmsonntag“ zeichnete er einen Entwurf, der bei Regisseur Hans-Peter Doll und beim Vorstand Zustimmung fand. 

Besonderen Bezug hat Krause zu Michael Pitack, einem Restaurator aus Rieden. „Wir waren Leidensgenossen, haben unsere Examensprüfung als Restaurator zusammen gemacht.“ Waren die Entwürfe noch im Format A 3 oder gar kleiner, so sollten die Werke jetzt acht mal fünf Meter messen. „Das ist doch ein wenig größer als ein Aquarell“, scherzt der ausgebildete Steinmetz. Zumindest brauche man mehr Farbe und größere Pinsel. 
Die alten Bühnenbilder waren mit Acrylfarbe gemalt. Das hatte den Nachteil: „Sie schimmerten matt und reflektierten die Lichter der Bühnenbeleuchtung.“ Krause sammelte also zunächst Informationen über das richtige Farbmaterial. Da half ihm der Kontakt zu den Bonner Theaterwerkstätten. „Ich wurde vom dortigen Bühnenmaler bestens beraten.“ 

 „Mehrere hundertmal musste ich die Leiter rauf- und runterklettern.“ 

Hermann Krause

Anfang Juli 2023 begann die Arbeit in der Lagerhalle der Laienspielgruppe des Junggesellenvereins mit dem Vorzeichnen. „Mit einem Projektor oder Beamer zu arbeiten, kam aufgrund des Tageslichts nicht in Frage. Um das Bild auf die nötige Größe zu projizieren, hätte ich den Beamer mindestens 20 Meter vor der Halle positionieren müssen.“ So blieb dem Künstler nichts anderes übrig, als seinen Entwurf Strich für Strich maßstabsgetreu auf die Leinwand zu übertragen. „Mehrere hundertmal musste ich die Leiter rauf- und runterklettern.“ Allein für das Vorzeichnen des ersten Bildes benötigte Krause dreieinhalb Tage. 

Dann ging es daran, die Landschaft vom Hintergrund bis in den Vordergrund malerisch zu gestalten. Auch die Perspektive der Gebäude musste immer wieder überprüft und korrigiert werden. 

Regisseur Doll war es wichtig, dass die Bilder tatsächlichen Orten in Jerusalem zuzuordnen und keine reinen Fantasiebilder sind. So stellt die Kulisse des Einzugs das Goldene Tor an der Ostmauer Jerusalems zum Kidrontal dar, wo Jesus am Palmsonntag auf dem Esel in die Stadt ritt. Auch für das Bühnenbild der zweiten Szene, der sogenannten Pilatusszene, wählte Krause einen Ort in Altjerusalem: Da der Statthalterpalast, der Platz der Urteilsverkündung, nicht mehr existiert, sprach der Maler mit Doll ab, eine Hofsituation aus dem jüdischen Viertel Jerusalems zu zeichnen. „Diese zweite Szene war einmal mehr eine Herausforderung beim Zeichnen der Perspektiven“, informiert Krause. 

Bei der Premiere zu erleben, wie die Darsteller sich mit den Kulissen identifizierten, sich vor den Bildern offensichtlich wohlfühlten, das sei für ihn das Schönste gewesen, schwärmt der Künstler.