Zum Inhalt springen

Theo-Talk:Legendäres Gotteshaus

Fußballvereine sind beim „Theo-Talk“ der Katholischen Erwachsenenbildung in Trier selten Thema. Mitte März war das anders – da stellte Gemeinde­referent Karsten Haug die Dortmunder Dreifaltigkeitskirche vor, die für den berühmten Ballspielverein Borussia (kurz BVB) eine wichtige Bedeutung hat.
Referent Karsten Haug (links) mit Samuel Acloque von der KEB.
Datum:
2. Apr. 2025
Von:
Rolf Lorig/Paulinus Wochenzeitung im Bistum Trier

Trier. Es war am 19. Dezember 1909, als 18 Jünglingssodalen der katholischen Dreifaltigkeitspfarrei den „Ballspielverein Borussia“ ins Leben riefen – zum Unwillen von Kaplan Hubert Dewald, dem Fußball ein Dorn im Auge war. Doch obwohl er auf der Wiese die aufgestellten Tore entfernen ließ und sogar mit Exkommunikation drohte, um das Spiel zu unterbinden – die Geschichte nahm ihren Lauf. Heute gilt das 1900 vollendete Gotteshaus am Borsigplatz als Gründerkirche des Clubs, der zu den erfolgreichsten des Landes zählt.

Dortmund hat 600.000 Einwohner. In der sozial benachteiligten Nordstadt leben 60.000 davon. „Wir haben dort sechs katholische Kirchen, eine evangelische und eine Freikirche. Dazu 40 Moscheen. Der Kirchenbesuch in den katholischen Gemeinden liegt unter fünf Prozent. Wir brauchen also nicht mehr alle Kirchen. Damit stand auch die Dreifaltigkeitskirche zur Disposition“, erklärte Gemeindereferent Karsten Haug bei seinem Besuch in Trier. Dank einer Kooperation des Erzbistums Paderborn mit dem Verein wird die Dreifaltigkeitskirche voraussichtlich bis 2026 zu einem Begegnungs-, Kommunikations- und Werteort umgestaltet. Das Motto: „Drinnen wird anders als draußen, aber die Kirche bleibt Kirche!“ 

Multifunktionsgebäude –auch für soziale Projekte

Nach der Fertigstellung soll das Gotteshaus seiner neuen und besonderen Rolle gerecht werden – als „BVB-Gründerkirche“. Laut Haug hat man sich viel vorgenommen. Wie im Stadion soll das Betreten des Multifunktionsgebäudes durch einen Spielertunnel erfolgen, dessen Wände mit Portraits von BVB-Spielern geschmückt sind. Im Inneren findet sich eine Tribüne, eine Dauerausstellung zur Vereinsgeschichte sowie zur Entwicklung des Viertels, das durch hohes Armutsrisiko, niedriges Bildungsniveau und städtebauliche Mängel geprägt ist. 

Man muss immer wieder kreativ sein, um mit Menschen und Fans in Kontakt zu kommen.

Gemeindereferent Karsten Haug

Der Gottesdienstraum, der künftig je nach Anlass größer und kleiner gestaltet werden kann, wird durch eine gläserne Projektionswand abgeteilt, die transparent geschaltet werden kann. „Parallel zum Kirchenumbau entstehen sozial-diakonische Angebote – zum Beispiel Sprachkurse, Seniorenmittagstische, Spielausleihen oder Grüne Klassenzimmer“, erklärt der Dortmunder Theologe.

Erinnerungen bewahren, Menschen zusammenführen, einen Ort der Besinnung, des Friedens und der Ruhe schaffen – das sind die Ziele des Vorhabens. Damit während des Umbaus das kirchliche und weltliche Leben nicht zum Erliegen kommt, wurde neben der Baustelle eine große Jurte errichtet, wo Veranstaltungen verschiedenster Art stattfinden: vom Bier-Tasting („Bier und Fußball gehören zusammen – und auch zur Gründerkirche dazu!“) bis zu Lesungen und Konzerten. „Man muss immer wieder kreativ sein, um mit Menschen und Fans in Kontakt zu kommen“, hebt Haug hervor.