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Christina Becker aus Ernzen hat die Witwenweihe empfangen :Wirken im Dienst des Herrn    

Bischof Ackermann hat Christina Becker die Witwenweihe gespendet. Sie ist eine von 18 geweihten Witwen in Deutschland.
Bischof Ackermann bei der Weiheliturgie
Datum:
2. Apr. 2025
Von:
Inge Hülpes

Trier/Ernzen – Es gibt nur wenige, die so sind wie sie. Christina Becker aus Ernzen hat den Bund fürs Leben geschlossen, und das zum zweiten Mal. Aber nicht mit einem Mann, sondern mit Gott. Die 58-jährige ist eine von 18 geweihten Witwen in Deutschland, die sich untereinander vernetzen. Am 25. März hat Bischof Stephan Ackermann ihr im Trierer Dom die Witwenweihe gespendet.  

„Ich möchte mein Wirken ganz in den Dienst des Herrn stellen“, sagt die zierliche blonde Eifelerin, deren Ehemann Peter vor acht Jahren verstorben ist. Ihren Ehering trägt sie noch immer. Eine Goldschmiedin fügte damals beide Ringe, ihren und den ihres Mannes, zusammen. Innen erkennt man noch die Gravur mit dem Datum des Hochzeitstages vor 37 Jahren. Nun kam eine dritte Komponente dazu: eine ovale Platte mit einem Kreuz und einem kleinen Rubin, als Zeichen für das Blut Jesu. Diesen Ring überreichte Bischof Ackermann ihr während der Weiheliturgie.   

Kein anderer außer dem Herrn 

Die Feier der Witwenbenediktion ist ein Segensritus und geht auf das frühe Christentum zurück – die Vorlage entstammt einem Formular aus der ambrosianischen Liturgie des vierten Jahrhunderts und richtet sich nach dem approbierten Ritus der Jungfrauenweihe. Im Bistum Trier ist Becker, Lehrerin für Hauswirtschaft an einer Berufsbildenden Schule in Trier, die zweite Frau, die die Witwenweihe in der Neuzeit empfangen hat. „Mit Blick auf 30 Jahre gemeinsamen Weg mit meinem Ehemann – mit allen Höhen und Tiefen – wurde mir klar, dass kein anderer seinen Platz einnehmen könnte“, erklärt die Mutter zweier Töchter und eines Sohnes. Gemeinsam mit zwei ihrer Kinder und deren Partnern samt den Enkelkindern lebt sie auf dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Ernzen. Große Verwunderung habe ihr Entschluss, geweihte Witwe zu werden, zuhause nicht hervorgerufen. „Meine Familie respektiert mein Glaubensleben. Auch wenn nicht alle meine Kinder fest im Glauben verhaftet sind, wünschen wir einander doch nur das Beste, unterstützen uns gegenseitig in unseren Entscheidungen und stehen uns zur Seite.“  

Gehorsam, freier Wille und Verstand 

Nach der ersten Zeit der Trauer konkretisierte sich der Wunsch, den künftigen Weg „nur noch mit dem Herrn zu gehen und mich von ihm als Werkzeug nutzen lassen“, erzählt Becker, die in ihrer Freizeit viele Jahre diverse Kirchenchöre geleitet hat. Glaube, Familie und Musik: Das seien die drei Säulen, auf denen ihr Leben ruht. Im Gebet habe sie dann gefragt: „Herr, was hast Du noch für mich in petto? Ich spüre, dass das, was war, noch nicht alles ist. Ich möchte das ganz in Deine Hand geben, damit Du mir den Weg weist.“ Der große Moment der Gewissheit, der Ruf, von dem andere geweihten Witwen ihr berichtet hatten, blieb jedoch zunächst aus. Dann folgten Exerzitien – und Klarheit: „Mir wurde bewusst, dass der Herr mir absolut freien Willen lässt, dass er will, dass ich nur aus mir heraus JA sage.“ Während eines Besuchs in einem Benediktinerinnenkloster schrieb Becker ihr Motivationsschreiben an den Trierer Bischof. „Ich bin sehr in mich gegangen und habe übers Schreiben gemerkt, dass die Witwenweihe schlicht eine organische Entwicklung ist. Dass dieser Schritt eine logische Schlussfolgerung aus ganz vielen Puzzlesteinen in meinem Leben ist. Für sich betrachtet waren diese einzelnen Teilchen nichtssagend. Doch jetzt ergeben sie ein Mosaik, jetzt erkenne ich das Gesamtbild.“  

Auf die Frage, ob sich denn mit der Witwenweihe etwas in ihrem Alltag ändern werde, winkt sie ab. „Das Gebetsleben habe ich sowieso, und ich lebe die drei evangelischen Räte – Keuschheit, Armut, Gehorsam – jetzt schon.“ Gehorsam verspüre sie gegenüber ihrem Bischof, der in apostolischer Nachfolge das Wort Jesu verkündet, und gegenüber der Tradition und Lehre der katholischen Kirche. „Das heißt natürlich nicht, dass ich mein Gehirn abgebe mit der Witwenweihe“, lacht sie. „Denn Gott hat mir Verstand gegeben, damit ich ihn auch benutze.“ 

 

Weitere Fotos von der Witwenweihe

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