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Der Schlüssel ist die Liebe:Bischof Ackermann predigt an Gründonnerstag über die Pädagogik Gottes

Ihren Gipfel und ihre Erfüllung finde diese Pädagogik Gottes in Jesus Christus, so Bischof Ackermann in seiner Predigt.
Bischof Ackermann wäscht einer Abiturientin die Füße
Datum:
6. Apr. 2023
Von:
Judith Rupp

Trier – “Gottes Macht und Gottes Liebe sind keine Gegensätze.“ Das hat Bischof Dr. Stephan Ackermann mit Blick auf die biblischen Texte in der Gründonnerstagsliturgie am 6. April im Trierer Dom betont. Ausgehend von der Erzählung vom Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnerte Ackermann daran, dass es den Versuch gegeben habe, den „Gott von Gewalt und Rache“ des Alten Testaments vom „Gott der Barmherzigkeit und der Liebe“ im Neuen Testament zu trennen. Diese Lösung greife aber zu kurz: „Es ist der eine Gott der Schöpfung und der Geschichte.“

Nachdem die Verhandlungen von Mose und Aaron mit dem Pharao gescheitert seien, verteidige Gott selbst mit Gewalt die Freiheit seines Volks – eine Bibelstelle, die angesichts des Ukrainekriegs eine neue Seite aufzeige: Wie lange könne man auf Dialog und Verhandlung setzen und wann sei der Punkt gekommen, Gewalt mit Gewalt zu begegnen, weil es Schlimmeres zu verhindern gelte? Diese Frage gelte es auch heute zu stellen. Denn es sei „leider nicht so, als ob sich Welt und Geschichte so weiterentwickelt hätten, dass seit Jesus der Weg der Liebe allgemein akzeptiert wäre und wir ein früheres, gewalttätiges Stadium der Menschheitsgeschichte hinter uns gelassen hätten“, betonte der Bischof. Doch auch wenn Nächstenliebe und ein respektvoller Umgang miteinander auch schon mal als Schwäche ausgelegt würden, seien Christinnen und Christen doch der Überzeugung, dass „der Schlüssel zur Erlösung dieser Welt in der Liebe liegt: Wirklicher Friede und Versöhnung werden nicht durch Gewalt geschaffen“.

Und so sei auch für Gott der Tag der Rettung Israels kein Tag des Jubels, sondern ein Tag der Trauer und des Mitleids mit seinen Geschöpfen, den Ägyptern. Gott führe solche Situationen damals wie heute nicht herbei. „Aber er lässt sie zu, weil er uns mit Verstand und freiem Willen begabt hat, das heißt mit den Fähigkeiten, mit denen wir erkennen können, was dem Leben dient und was nicht.“ Und so wie das Volk Israel in den Höhen und Tiefen seiner Geschichte eine Art Pädagogik entdecke, mit der Gott sein Volk zur Liebe erziehen wolle, lernten die Menschen den Weg Gottes manchmal erst in der Niederlage.

Ihren Gipfel und ihre Erfüllung finde diese Pädagogik Gottes in Jesus Christus: „In ihm wird Gott so solidarisch mit seinen Geschöpfen, dass er selbst die Niederlage wählt, damit wir ihn und seinen Weg verstehen.“ Dies werde etwa in der Fußwaschung deutlich: „Wahre Liebe ist nicht mit Schwäche zu verwechseln, auch wenn es zunächst so aussehen mag.“ Die Liebe, die ihren Ursprung in Gott hat, sei die Macht, die die Welt besiegt. In diesem Sinn lud Bischof Ackermann die Gottesdienstgemeinde ein, während der Feier der Heiligen Tage sich neu der Pädagogik Gottes anzuvertrauen, „um zu entdecken, wie gut der Herr es mit uns meint – in den Höhen und Tiefen unseres Lebens.“ Zum Gottesdienst an Gründonnerstag gehörte auch die Fußwaschung, die Bischof Ackermann in diesem Jahr an Mitgliedern des Besucherdienstes des Bistums sowie Abiturientinnen des Gymnasiums Saarburg vollzog.