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Koblenzer Treff bringt Frauen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen:Die Welt zusammennähen

Aus alten Stoffen etwas Neues zaubern und sich mit Frauen aus verschiedenen Kulturen austauschen - das kann man im Koblenzer Näh-Treff in der Florinspfaffengasse 2
Jutta Lehnert (re.) mit Teilnehmerinnen des Näh-Treffs
Datum:
23. Nov. 2017
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Koblenz – Jeden Freitag schleppt sie sechs Nähmaschinen und jede Menge unterschiedliche Stoffe in die Florinspfaffengasse 2 in Koblenz. Die Pastoralreferentin Jutta Lehnert veranstaltet hier jede Woche von 9.30 bis 15 Uhr einen Nähtreff, der unter dem Motto „Die Welt zusammennähen“ steht. Kurz vor dem ersten Advent sind bei den Näherinnen Weihnachtsgeschenke ein Thema, aber auch schöne Dinge für sich selbst, liegen unter der Nähmaschine.

Bahia Ibrahim schiebt einen Jeansstoff unter die ratternde Maschine. Sie arbeitet gerade an einer Umhängetasche. „Ich möchte gerne eine Ausbildung zur Schneiderin machen, doch die Arbeitsagentur sagt, ich muss noch warten“, erklärt die 38-Jährige, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt. Sie streift ihre neue Tasche über; der Schulterriemen ist noch zu lang. Jutta Lehnert kommt mit schnellen Schritten durch den Raum geflitzt und zeigt ihr ein paar Kniffe bis alles passt. Seit acht Wochen kommt auch Rdah Ahmo zum Nähtreff. Meistens näht sie etwas für eines ihrer sechs Kinder und flickt deren Anziehsachen – sie war in Syrien schließlich Schneiderin für Kinderkleidung. Heute hat sie sich vorgenommen, etwas für sich zu machen. „Das wird ein Schal“, sagt sie und blickt lächelnd hinter der Nähmaschine hervor. Stolz zeigt sie auf ihrem Handy, was sie bereits alles genäht hat, sogar festliche Kleider für eine Hochzeit sind darunter. „Ich suche eine Arbeit als Näherin, aber es ist schwierig“, erklärt die 44-Jährige, die seit zweieinhalb Jahren in Deutschland lebt. Am nächsten Tisch sitzen IL NowakErgül und Eva Kaltenbach. Sie haben beide mit Jutta Lehnert eine Reise nach Ruanda gemacht. „Ich habe dort eine Hose in Auftrag gegeben, doch leider hat sie mir nicht so recht gepasst“, erklärt Eva Kaltenbach aus Lahnstein. Jutta Lehnert habe sie dann einfach in den Nähtreff eingeladen. Jetzt sitzt sie hier und trennt die Naht der afrikanischen Hose mit dem auffälligen Muster mühsam auf. „Durch Jutta bin ich wieder zum Nähen gekommen“, gibt Eva Kaltenbach zu. Il NowakErgül sitzt ihr gegenüber und schneidet gerade ein pinkfarbenes Frotteehandtuch in Form. „Das werden Plüschelefanten für meine Urenkel.“ Die Frau aus Vallendar hat hier schon zwei Hosen und Westen genäht. „Durch den Workshop habe ich mir sogar eine Nähmaschine gekauft“, lacht sie.

„Beim Nähtreff können die Teilnehmerinnen neue Ideen ausprobieren, sich austauschen und Kleidung umnähen“, erklärt Jutta Lehnert. „Wir machen hier Upcycling, das heißt, wir verwenden gebrauchte Stoffe. Aus Krawatten kann man zum Beispiel ganz tolle Kissen machen und aus Ärmeln von Hemden Portemonnaies. Aus Jeanshosen werden coole Taschen“, berichtet sie. „Wir schonen Ressourcen und tragen zur Bewahrung unserer Schöpfung bei.“ Über Stoffspenden freuen sich die Frauen des Nähtreffs. Wer Frauen aus verschiedenen Kulturen treffen möchte, sei hier genau richtig. „Kaffee und Plätzchen gibt es auch“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Die Räumlichkeiten werden von dem Koblenzer Stoffgeschäft „iTüpfelchen“ an der Liebfrauenkirche für einen kleinen Beitrag an den Nähtreff vermietet. Diese Kosten sowie die Mittel für Nähmaterialien übernimmt das Dekanat Koblenz. Vom Caritasverband bekommt der Treff Jeanshosen. Vier Maschinen werden vom Willkommens-Netz, der Flüchtlingshilfe des Bistums Trier, finanziert; zwei gehören der Pastoralreferentin selbst.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, und die Teilnahme ist kostenlos; Spenden sind willkommen. Maschinen und Materialien sind vor Ort; „Ideen auch!“, betont Jutta Lehnert. Weitere Informationen gibt es bei Jutta Lehnert unter Tel.: 0261-20439009 oder per E-Mail an jutta.ksj@gmail.com. (jf)