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Rund 120 Engagierte bei erster Synodalversammlung im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues  :Ehrenamtliches Potenzial fördern und nicht ausbremsen    

Rund 120 Engagierte treffen sich zur ersten Synodalversammlung im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues.
Der neue Rat
Datum:
6. März 2024
Von:
Simone Bastreri

Piesport/Bernkastel – Es herrscht gespannte Erwartung unter den rund 120 Interessierten, die an einem frühlingshaften Samstag Anfang März aus Morbach, Ürzig, Bernkastel oder Neumagen in die Moseltalhalle nach Piesport gekommen sind. Bei der ersten Synodalversammlung im seit 2023 bestehenden Pastoralen Raum Bernkastel-Kues geht es um nichts Geringeres als die Zukunft kirchlichen Lebens und Engagements in den zugehörigen Gemeinden an der Mosel und im Hunsrück. Erst einmal aber kracht es kurz durch die Mikrofone und Lautsprecher – für einen Schreckmoment hapert die Technik, was Martin Schmitz und Roland Hinzmann vom Leitungsteam des Pastoralen Raums aber nicht aus der Ruhe bringen kann. Schnell steigen die Redner auf zwei kleinere Lautsprecherboxen um und stellen den jetzigen Rat des Pastoralen Raums vor. Am Ende des Tages wird die Freude über sieben neu gewonnene Mitglieder groß sein. Eine Teilnehmerin sieht in dem kleinen technischen Zwischenfall gar ein symbolträchtiges Bild: „Es rumpelt und kracht auch in der Kirche vor Ort, da muss sich Vieles erst zusammenfinden. Die Hauptamtlichen kommen von der Bühne herunter und holen uns direkt da ab, wo wir stehen. So sollte das sein.“   

Im Barcamp entwickeln die Teilnehmenden selbst Themen 

Die beiden Moderatoren des Tages, Dr. Thorsten Hoffmann und Karin Müller-Bauer

Genau das tun auch die beiden Moderatoren des Tages, Dr. Thorsten Hoffmann und Karin Müller-Bauer vom Bistum Trier: Zum besseren Kennenlernen sollen die Anwesenden sich erst einmal nach Altersgruppen oder Vorerfahrungen aufstellen und miteinander in erste Gespräche kommen. Dabei offenbart sich sofort eines der Grundprobleme von Kirche: Das Feld der 0 bis 30-Jährigen bleibt komplett leer, der Nachwuchs fehlt. Passives Zuhören ist bei der Versammlung sowieso nicht angesagt, sondern der aktive Austausch beim so genannten Barcamp – einer Tagung mit offenen Workshops, deren Themen die Teilnehmenden selbst entwickeln. Und die sind für 12 Tischgruppen schnell gefunden: So spricht Bernd Engels aus Kesten den Elefant im Raum direkt an: „Wie können mehr Kinder und Jugendliche für Kirche begeistert werden?“ Edith Becker aus Minheim möchte mir ihrer Gruppe darüber sprechen, wie angesichts des Mangels an Seelsorgerinnen und Seelsorgern ein Kirchenjahr inklusive Jugend, Familien- und Seniorenarbeit von Ehrenamtlichen bestritten werden kann. Eine enge Vernetzung bei weltkirchlichen Hilfsprojekten liegt Peter Brucker mit seiner Mali-Hilfe am Herzen, während Ute Erz die Willkommensarbeit für Geflüchtete stärken möchte. Franziska Schneider von der Kita in Zeltingen-Rachtig oder Carmen Reuter von der Initiative KIRFAM „Kinderrechte, Resilienzorientierung und Familienunterstützung“ des Landkreises Bernkastel-Wittlich wünschen sich eine gute Vernetzung der Angebote für Familien auf kommunaler und kirchlicher Ebene. Auch die Fusionen der Pfarreien und der Aufbau von Gemeindeteams auf Ortsebene oder das stärkere Sichtbarmachen der Behindertenhilfe finden sich als Themen an den einzelnen Tischen wieder.  

Emotionale Debatten 

Austausch in Kleingruppen

Die Teilnehmenden tauschen sich über ihre favorisierten Themen aus; teils wird auch emotional diskutiert. In der Gruppe rund um das Thema Kinder und Jugend wird die Frage aufgeworfen, welche Angebote es für Kinder zwischen Kommunion und Firmung gebe und wo die Kirche in diesen fünf prägenden Jahren sei. „Es muss einfach Leute geben, die authentisch für etwas stehen, die einfach machen. Es braucht auch eine enge Verzahnung von Kita, Schule und Gemeinde”, sagt Lehrerin Kerstin Wegmann, die selbst Mutter ist. Hitzig debattiert wird auch am Tisch rund um die bessere Förderung des Ehrenamts: Engagierte Leute dürften nicht ausgebremst werden, auch nicht von Priestern vor Ort, finden hier einige. Sie wünschten sich mehr Ermutigung „von oben“ aus Trier und eine Ermächtigung in ihrem Tun.  

Beim Thema Geflüchtetenhilfe wird abermals deutlich, dass die Willkommensangebote und auch die weiterführende Integration von Menschen mit Migrationshintergrund mehrheitlich von Ehrenamtlichen gestemmt werden.Diese wünschen sich vor allem Räume und Unterstützung von der Kirche . Am Tisch zur Rätearbeit werden auch allgemeine Themen verhandelt. Als es um die Ökumene geht, bringt der mitdiskutierende Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal seinen Frust über die konservativen Haltungen des Vatikans an: „Da können sich die Menschen vor Ort und in deutschen Gemeinden noch so um innovative gute Ideen bemühen, am Ende scheitern sie oft an Rom.”  

Ehrenamt als roter Faden 

Simone Bastreri

Am Ende des Tages ist das Ehrenamt der rote Faden, der alle Themen, Gespräche und Diskussionen verbindet. Kirche könne künftig nur mit einem gestärkten und geförderten Ehrenamt auf Augenhöhe funktionieren, lautet der Tenor. So ist das namensgebende griechische Wort der Versammlung, die „Synode“ als „Sich gemeinsam auf den Weg machen“ Programm für die nächsten Monate und Jahre. Dazu ist auch die enge Verzahnung zwischen Zivilgemeinde und Kirche nötig, meint Bürgermeister Hackethal, der sich bei allen Teilnehmenden bedankt, für die Menschen vor Ort da sein zu wollen. Ein erster Schritt ist durch die inspirierende Stimmung und den guten Austausch auf der ersten Synodalversammlung gemacht worden, ist sich Pastoralreferent Roland Hinzmann am Ende der Veranstaltung sicher.    

Wer die Ergebnisse, weitere Informationen und Bilder der Veranstaltung sucht, wird auf den Seiten des Pastoralen Raums unter www.pr-bernkastel-kues.de fündig.  

Weitere Fotos von der Synodalversammlung

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