Zum Inhalt springen

Hubertus Kesselheim über seine Arbeit als Polizeiseelsorger:Ein Begleiter für Polizistinnen und Polizisten

Hubertus Kesselheim berichtet über seine Tätigkeit als Polizeiseelsorger in Rheinland-Pfalz und im Saarland.
Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim (Foto: Rudolf Hoeser)
Datum:
14. Apr. 2020
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier/Koblenz/Saarbrücken – Seit knapp 20 Jahren ist Hubertus Kesselheim in der Polizeiseelsorge tätig. Der Pastoralreferent stammt aus Koblenz und hat in Trier Theologie und Pädagogik studiert. Im Jahr 2000 wurde er Lehrbeauftragter für polizeiliche Berufsethik an der Polizeischule in Rheinland-Pfalz und übernahm damit auch Mitarbeit in der Polizeiseelsorge. „Ich begann in den Dienststellen zu hospitieren und den Polizeidienst von innen kennenzulernen“, erzählt Hubertus Kesselheim. „Nur so kann man auch Berufsethik für Polizei unterrichten.“ Heute macht der Lehrauftrag etwa 50 Prozent seiner Tätigkeit aus. Die andere Hälfte ist Seelsorge.

Polizeiseelsorge ist ökumenisch aufgestellt. Sowohl im Saarland als auch in Rheinland-Pfalz hat Kesselheim  evangelischen Kollegen und Kolleginnen. „Wir Polizeiseelsorger gehen zu den Menschen hin; es ist eine aufsuchende Seelsorge“; erklärt der Pastoralreferent. So bietet er beispielsweise Gottesdienste in Räumlichkeiten der Polizei wie der Kantine, „damit die Beamtinnen und Beamten spüren, dass wir für sie da sind und nicht darauf beharren, dass sie zu uns kommen.“ Die Angebote der Polizeiseelsorger werden von den Polizeibediensteten sehr gut angenommen. „Unsere Veranstaltungen sind in aller Regel ausgebucht. Auch bei Dienststellenbesuchen bin ich ein gern gesehener Gast. Wir Seelsorger haben auch einen Polizeidienstausweis und sind in die Organisation ein Stück integriert. Von Seiten der Polizeiführung wird uns immer wieder große Wertschätzung entgegengebracht.“

Kesselheim ist auch Mitglied im Kriseninterventionsteam der Polizei Rheinland-Pfalz und Teil des Betreuungsteams für psychosoziale Notfallnachsorge der Polizei des Saarlandes. „Dazu gehört es, bei besonders belastenden Einsätzen zeitnah vor Ort zu sein und den Beamtinnen und Beamten professionelle Krisenintervention anzubieten, um die Entwicklung posttraumatischer Belastungsstörungen zu verhindern.“ Das Thema Leid und Tod begegne ihm sehr oft, so Kesselheim. Das fange an bei den Bildern von Verkehrsopfern und ende beim Suizid von Kollegen. „Deshalb brauche ich als Polizeiseelsorger selbst oft einen Ansprechpartner, um das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten“, sagt er. Die Unterstützung beim Überbringen von Todesnachrichten ist ein wesentlicher Teil seiner Arbeit. „Vor allem, wenn Kollegen oder Kolleginnen betroffen sind.“ Auch die Begleitung Trauernder, Sterbebegleitung und Beerdigungen zählen zu seinen Aufgaben. „Aber auch für Trauungen und Taufen bin ich häufig der Ansprechpartner. Ich begleite die Paare im Vorfeld und gestalte mit Ihnen den Gottesdienst. Natürlich in Absprache mit dem Zelebranten.“

Die derzeitige Situation der Corona-Pandemie stellt auch für seine Arbeit eine große Herausforderung dar, erläutert der Polizeiseelsorger. Er besucht derzeit keine Dienststellen, persönliche Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Auf seiner Facebook-Seite „Polizeiseelsorge im Bistum Trier“ lädt er bis Ostermontag jeden Tag einen Impuls für den Tag ein; sonntags postet er ein Video mit einer Ansprache zum Sonntagsevangelium. „Die wird sehr gut angenommen. In der Regel lesen zwischen 400 und 500 den Impuls. Und ich bekomme viele positive Rückmeldungen. Außerdem führe ich jeden Tag mehrere längere Telefonate, teilweise mit Videoübertragung mit Menschen, die ich aktuell in Krankheit oder Trauer begleite.“

Dominik Holl