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Diözesane Phase im Seligsprechungsverfahren für P. Franz Reinisch beende:Eine Fackel der Liebe und des Friedens sein

Er leistete als einziger Priester keinen Fahneneid auf Hitler: Pater Franz Reinisch. Jetzt wurde die diözesane Phase in seinem Seligsprechungsprozess beendet.
Bischof Ackermann beauftragt den Postulator des Seligsprechungsverfahren, Pater Heribert Niederschlag, die Dokumente unbeschadet und nach bestem Gewissen nach Rom zu bringen.
Datum:
28. Juni 2019
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – Bischof Dr. Stephan Ackermann drückt das Bischofs-Siegel in das rote Wachs und verschließt damit offiziell das Paket voller Dokumente, das sich bald auf den Weg nach Rom machen wird: Am 28. Juni hat der Trierer Bischof die diözesane Phase im Seligsprechungsverfahren für den Pallottinerpater Franz Reinisch abgeschlossen. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen werden jetzt nach Rom weitergeleitet und dort geprüft. Das Seligsprechungsverfahren war im Mai 2013 mit Erlaubnis der zuständigen römischen Kongregation eröffnet worden. Es handelt sich dabei um ein kirchenrechtliches Verfahren nach ganz genauen Vorgaben: Voraussetzung sind entweder das Martyrium oder der Nachweis eines Wunders, geprüft werden beispielsweise die Lebensführung des Kandidaten und ob es Gründe gegen eine Seligsprechung gibt. Franz Reinisch war der einzige Priester, der den Fahneneid auf Hitler verweigerte und daraufhin hingerichtet wurde. Sein Grab ist neben dem Urheiligtum in Schönstatt bei Vallendar.

Zum Gottesdienst in der Liebfrauenbasilika waren auch viele Angehörige der Gemeinschaft der Pallottiner und der Schönstatt-Patres gekommen. Prälat Dr. Georg Holkenbrink, der als vom Bischof beauftragter Delegat das Verfahren in den letzten Jahren durchgeführt hatte, zelebrierte auch den Gottesdienst. In seiner Predigt ging er auf Leben und Spiritualität des jungen Pallottinerpaters ein. Reinisch, der auch der Schönstattbewegung angehörte, sei von der bedingungslosen Liebe Jesu gegenüber den Menschen in Bann gezogen worden. Diese göttliche Liebe habe ihn letztlich in die „entscheidende Situation seines Lebens“ hineingeführt, ob er im Namen Gottes einen Eid leisten dürfe „auf einen Menschen, der zwar Führer einer Nation ist, und damit weltliche Obrigkeit, aber dennoch ein Menschen verachtender Verbrecher“. Vor seinem Gewissen habe Reinisch diese Frage mit „Nein“ beantwortet. Kurz vor seinem Tod habe Reinisch aus dem Berliner Gefängnis geschrieben, gerade in dieser Stadt dürfe er „zur Fackel der Liebe und des Friedens werden“, die nun in die weite Welt hinausgeschleudert werde, in der Stadt, „von wo die Fackel des Hasses und des Völkerkrieges in die Welt hinausgeschleudert wurde.“ Auch wenn er mit Abschluss der diözesanen Phase noch nicht selig gesprochen sei, dürfe man den Pallottinerpater ein „überzeugendes Beispiel gelebten christlichen Glaubens“ nennen, sagte Holkenbrink. 

In der anschließenden feierlichen Schlusssitzung des diözesanen Verfahrens im Gotischen Saal des Domkreuzgangs dankte Bischof Ackermann allen am Verfahren Beteiligten für ihre Arbeit. Der Bischof verlas das Original der Akte und vergewisserte sich über die Kopien. Anschließend ordnete er an, dass die Dokumente durch Pater Professor Heribert Niederschlag SAC nach Rom überbracht werden sollen. Niederschlag ist Postulator des Verfahrens und setzt sich seit vielen Jahren durch die Forschung und Dokumentation für den Seligsprechungsprozess Reinischs ein. Er leistete den entsprechenden Eid, die Dokumente nach Rom zu bringen. Anschließend legten auch der Bischof, Delegat Holkenbrink, Kirchenanwalt Prälat Dr. Klaus Peters und die Notarinnen Karin Pohl, Maria Theresia Junkes und Marianne Stauß sowie Postulator Niederschlag und sein Stellvertreter Pater Dr. Adalbert Kordas den Eid ab, dass sie das Verfahren ordnungsgemäß durchgeführt hatten.

Holkenbrink stellte als verantwortlicher Delegat wichtige Merkmale des Prozessverlaufs dar: Es seien viele Zeugen befragt worden, einige seien dafür extra von weit her ins Bistum Trier gereist; eine historische Kommission habe über 730 Schriften zusammengetragen, gesichtet und auf ihre Qualität geprüft, unabhängige theologische „Zensoren“ hätten Reinischs Schriften überprüft, und insgesamt seien 6.300 Seiten Dokumentation im Verfahren zusammengekommen. Nach der Verlesung des Protokolls, der Schlusserklärung des Bischofs und der Versiegelung der Dokumente endete die Sitzung.

Franz Reinisch wurde 1903 als zweites Kind einer österreichischen Beamtenfamilie in Feldkirch geboren. Er besuchte eine Franziskanerschule und studierte später Jura in Innsbruck und Gerichtsmedizin in Kiel. Dort fasste er den Entschluss, Priester zu werden, und begann 1923 das Studium der Theologie und Philosophie. Zwei Jahre später trat er in das Priesterseminar in Brixen ein, und trat ab 1928 in das Noviziat der Pallottiner in Untermerzbach ein. Nach seiner Profess wirkte er als Lektor der Philosophie in Untermerzbach und in der Jugenderziehung in Augsburg. Dort lernte er auch die Schönstattbewegung kennen, der er seither zugetan war. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten stellte Pater Franz Reinisch vor neue Herausforderungen als Mensch und Priester. Er bezog klar Stellung gegen deren menschenverachtende Ideologie und suchte in seinen Predigten und Vorträgen die Konfrontation mit den Machthabern. 1940 wurde er daher von der Gestapo mit einem Predigt- und Redeverbot für das Gebiet des gesamten Deutschen Reiches belegt. Als er am 7. April 1942 die Einberufung zur Wehrmacht erhielt, entschloss er sich, aus Gewissensgründen keinen Eid auf Adolf Hitler abzulegen. Bewusst ging er zu spät zu seiner Einberufung, verweigerte den Fahneneid, kam in Haft, wurde vor das ReichsKriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt. Am 21. August 1942 wurde der 39-jährige Reinisch mit dem Fallbeil hingerichtet.

Mehr Informationen zu Reinischs Leben sowie dem Seligsprechungsprozess gibt es unter: www.franz-reinisch.org

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