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Eine offene und anregende Atmosphäre für die großen Fragen der Kleinen 

Die Seelsorge-Fachteams des Bistums begleiten die Kitas mit Beratung und Qualitätschecks.
Datum:
29. Nov. 2023
Von:
Simone Basteri

Trier/Koblenz/Saarbrücken – Jeden Tag besuchen rund 42.500 Kinder die 495 katholischen Kindertageseinrichtungen im Bistum Trier. Doch was charakterisiert Kitas, die nach einem Leitbild mit „christlichen Werten“ arbeiten und wie und mit welcher Intention begleitet das Bistum die Einrichtungen und ihre Mitarbeitenden?  

Keine Missionierung sondern Werte im Kita-Alltag leben  

„Kita ist für mich der allererste Ort, wo Kirche sein muss. Denn hier kommt ganz viel Leben zusammen – junge Familien, Großeltern, Kinder in ihrer ganzen Vielfalt, mit ihren Fragen, Problemen und Wünschen. Und schließlich haben wir uns als Bistum ja auf die Fahnen geschrieben, dass wir missionarisch-diakonisch unterwegs und nah bei den Menschen sein wollen“, bringt Thomas Röder es auf den Punkt. Er gehört zu einem der drei Fachteams von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die die Kitas mit religionspädagogischen Angeboten, Fortbildungen oder bei spirituellen Fragen unterstützen. Den zuweilen geäußerten Vorwurf, dass ein „Missionierungsgedanke” im Hintergrund stehe, können Röder und die anderen Teammitglieder entkräften: Es gehe vielmehr um die Begleitung der pädagogischen Fachkräfte und um eine Haltung und christliche Werte, die im Kita-Alltag gelebt werden solle, erklärt seine Kollegin Sabrina Koch aus dem Fachteam Trier: „Unser Konzept geht davon aus, dass Leben und Glauben verbunden sind. Das ist kein abstraktes Konstrukt, sondern wird vorgelebt – Glaubensdinge können im täglichen Leben entdeckt und erfahren werden. Ob ich streite, Freundschaft schließe, teile, oder lerne, respektvoll zu sein.” Den Unterschied zu ethischen Konzepten sieht sie in einer zusätzlichen Ebene: „Glauben hat für mich noch eine weitere Dimension des Gehalten- und Getragen-Seins. Das nennen wir eben ‘Gott’ und bieten an, dass Kinder damit groß werden können – aber nicht müssen.“ 

Verändertes Glaubenswissen aber die gleichen “großen” Fragen 

Zur Lebenswirklichkeit in den katholischen Kita gGmbHs gehört, dass ein Gros der Familien heute nicht mehr eng an die Kirche gebunden ist; zudem besuchen Kinder aller Religionen die Einrichtungen. Wie also sieht die Arbeit der pädagogischen Teams vor Ort zu Glaubensthemen aus? Kann man überhaupt ein gewisses Grundwissen bei den Kindern voraussetzen, beispielsweise, warum Weihachten oder Ostern gefeiert wird? Das komme ganz darauf an, welche Kriterien man anlege, antwortet Koch. „Wenn es um reines Glaubenswissen geht, klar, das hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Aber wir sehen Glauben als etwas, das Kraft und Unterstützung im Leben geben kann. Dass Kinder in solchen ‚religiösen‘ Dimensionen aufwachsen können: Darauf liegt unser Fokus. Nicht darauf, dass man eine Art „Wissenskatalog” erwirbt.” Natürlich würden in katholischen Einrichtungen Feste wie Sankt Martin oder Nikolaus gefeiert, erklärt Thomas Röder. „Denn sie vermitteln Werte wie das Teilen und das Für-andere-da-sein. Und die sind in uns allen verwurzelt.” Die Kinder stellten schon früh philosophische Fragen – und zwar unabhängig von ihrer religiösen Sozialisierung, bestätigt Natalie Bauer vom Fachteam Koblenz. „Uns geht es darum, den Kindern eine möglichst vielfältige und anregende Atmosphäre in der Kita zu bieten, sodass sie sich mit diesen Fragen auf die Suche machen können. Sie sollen das Gefühl haben, dass sie kompetente Gesprächspartner in den Erwachsenen haben, die ihnen auch zuhören.”  

Keine vorgefertigten Meinungen, sondern gemeinsames Lernen 

Im Bistum Trier gibt es 495 Kindertageseinrichtungen.

Für Christian Pesch, Bernd Klesen und Heike Vogt aus dem saarländischen Fachteam ist diese Arbeit sehr bereichernd, wie sie erzählen. „Kinder stellen Sinnfragen und haben oft verblüffende Antworten parat. Man ist selbst Lernender, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Das geht den Erzieherinnen auch so”, sagt Pesch. Klesen unterstreicht: „Es geht darum, mit den Kindern gemeinsam zu schauen, was ihre Haltung zu einem Thema ist, und nicht vorgefertigte Antworten von oben herab zu geben.” Dazu bieten die drei Fachteams Trier, Koblenz und Saarland den Einrichtungen ihre Begleitung, etwa durch Workshoptage, Teambuilding oder Schulungen und Qualitätsmanagement. „Wir helfen dabei zu fragen, wie sich christliche Werte im Kitaalltag wiederfinden und natürlich gehört auch der Umgang mit Interreligiosität und Verschiedenheit dazu”, sagt Natalie Bauer. Früher war die pastorale Begleitung der Kitas bei den Dekanaten angesiedelt, zum Herbst 2023 ist sie ein eigenes kategoriales Feld geworden, etwa wie die Krankenhaus-, Militär- oder Gefängnisseelsorge. Damit gehören die Fachteams jetzt zur Abteilung Kindertagesstätten im Bischöflichen Generalvikariat Trier; ihr Teamleiter ist Holger Sturm.  

Im Fachteam Koblenz arbeiten die Pastoralreferentinnen Gabriele Kloep-Weber, Natalie Bauer und Madeleine Esch. Das Fachteam Trier besteht aus den Pastoralreferentinnen Sandra Baltes, Gudrun Jocher, Sabrina Koch und Pastoralreferent Thomas Röder. Im Saarland sind die Pastoralreferenten Bernd Klesen und Christian Pesch sowie Pastoralreferentin Heike Vogt im Team. Mehr Informationen gibt es auf: www.t1p.de/fachteams_kita.