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Verein in Sohrschied bildet Tischler aus:"Einen Lebensweg finden"

Schulabschluss, anschließend eine Ausbildung oder ein Studium - nicht alle Lebenswege verlaufen so geradlinig. Unterstützung, wenn es nicht so läuft, erhalten junge Menschen beim VBS.
Filigranes Arbeiten ist bei einer Zapfenverbindung gefragt. Fotos: Bistum Trier/Julia Fröder
Datum:
1. Apr. 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Sohrschied – Es wird gehobelt und gehämmert in einer Werkstatt im Hunsrück. Fünf Azubis zeigen Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft ihr Können und laden dazu ein, selbst Hand anzulegen. Das Treffen in der Tischlerei des Vereins Berufliches und Soziales Lernen (VBS) in Sohrschied findet im Rahmen des Josefstages statt und bringt verschiedene Lebenswelten zusammen.

Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters ist zum ersten Mal zu Gast und beeindruckt. „Sie legen den Fokus auf etwas, was wir im Alltag oft übersehen: Menschen, die nicht so einen leichten Weg haben. Hier können sie einen Lebensweg finden“, bedankt Peters sich bei Sabine Bollhorst und ihrem Mann, Tischlermeister und Ausbilder Martin Mersch-Bollhorst, für ihr mehr als drei Jahrzehnte langes Engagement. Beim VBS finden junge Menschen einen Ausbildungsbetrieb, der sie in vielen Belangen unterstützt. „Wir sind dankbar, dass Sie gerade Geflüchteten und Menschen, die nicht direkt einen Fuß auf dem ersten Arbeitsmarkt fassen können, eine Chance geben“, betont Anna Werle, Pastoralreferentin aus dem Dekanat Simmern-Kastellaun, zu deren Arbeitsfeldern unter anderem die interkulturelle Arbeit zählt.

Fünf unterschiedliche Lebenswege, ein Ziel: Tischler werden

In seiner Heimat, dem Sudan, hat Hamza Abaka ebenfalls handwerklich gearbeitet, allerdings mit Marmor. Das Hantieren mit Ulme, Eiche und Buche ist natürlich vom Kraftaufwand viel leichter, aber nicht weniger anspruchsvoll. Ebenfalls aus dem Sudan kommt Musa Istiak, wo er als Kaufmann gearbeitet hat. Praktisches Arbeiten ist für ihn daher eher neu. Doch beiden jungen Männern, die sich im ersten Lehrjahr befinden, gefällt es gut beim VBS. Das liegt zum einen an der Unterstützung im Betrieb und zum anderen am Arbeiten mit dem nachwachsenden Rohstoff. „Doch uns fällt die Sprache noch schwer“, geben sie zu.

Weihbischof Peters versucht sich derweil unter Anleitung des dritten Azubis, Alexander Kronz, an einer Zapfenverbindung. „Ich habe zuerst Jura studiert, gearbeitet und dann nach einem persönlichen Krankheitsfall noch einmal eine andere Richtung eingeschlagen“, berichtet der 31-Jährige, der gerade in der Planung für das Gesellenstück zum Abschluss seiner Lehre steckt.

Azubi Alexander Kronz gibt wertvolle Tipps.

Auch der Weg von Merlin Losse war nicht geradlinig. Er wollte nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Behinderteneinrichtung eigentlich ein Pädagogikstudium beginnen. Doch es kam anders als geplant. Der heute 24-Jährige hatte vor, lediglich ein Jahr beim VBS zu bleiben, sozusagen zum Übergang. „Jetzt bin ich im dritten Lehrjahr und arbeite an meinem Gesellenstück“, sagt er durchaus stolz. Er habe das Handwerk lieben gelernt und schätze die Atmosphäre in der Sohrschieder Werkstatt. Die Atmosphäre lobt auch der fünfte im Bunde, Maaz Dadajev. „Wir bekommen alles gut erklärt“, sagt der junge Mann aus Tschetschenien, der nach Feierabend noch einen Deutschkurs besucht.

„Wir bleiben an Ihrer Seite!“

Sie alle besuchen die Berufsschule und erhalten darüber hinaus Unterstützung von den mehr als 30 ehrenamtlichen Mitgliedern des VBS, die ihre vielfältigen Talente zugunsten der jungen Menschen in Ausbildung einbringen. „Ein pensionierter Lehrer gibt zum Beispiel Mathe-Nachhilfe“, berichtet Sabine Bollhorst.

Seit 2008 wird der Verein finanziell auch von der Aktion Arbeit im Bistum Trier unterstützt, die sich gegen Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit einsetzt.  Deren Geschäftsführerin, Andrea Steyven, hat den Verein schon mehrmals besucht: „Hier zeigt sich, dass persönliches Engagement und ein wirkliches Interesse an jeder einzelnen Person zum Erfolg führt.“ Das Unternehmen genießt nicht nur für seine Ausführungen ein hohes Ansehen, sondern auch für sein Ausbildungsangebot. Die Gesellen finden einen guten Anschluss im Berufsleben.

Maaz Dadajev (links) und Musa Istiak arbeiten an einem Bänkchen.

Als kleiner freier Träger erhält der Verein keinerlei öffentliche Zuschüsse und finanziert sich durch Auftragsarbeiten für Privatkunden und öffentliche Einrichtungen. Ein kleines Zubrot ist das beliebte Tagungshaus, das außerhalb von Pandemiezeiten vor allem von Gruppen genutzt wird. Trotzdem ist die Initiative auf Spenden angewiesen.  „Hier findet nicht nur eine berufliche Qualifizierung statt“, lautet das Resümee von Weihbischof Peters. Sondern die Azubis würden auch auf das Leben vorbereitet und begleitet. Er versichert dem Verein mit seinem außergewöhnlichen Konzept für die Zukunft „Wir bleiben an Ihrer Seite!“.

Informationen zum VBS gibt es unter Tel.: 06763-6334038, info@vbs-sohrschied.de, wwwvbs.-sohrschied.de .

Der Josefstag ist eine Aktion der Initiative „Arbeit für alle“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS). Der Heilige Josef, dessen Gedenktag am 19. März ist, ist Schutzpatron der Arbeiter und Jugendlichen. Im diesem Jahr stand der Josefstag unter dem Motto „Lebenszeichen – Jugend hat Perspektive“ Weitere Informationen gibt es auf www.josefstag.de. (jf)