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TelefonSeelsorge Mittelrhein veröffentlicht Jahresbericht: Einsamkeit, Beziehungskonflikte und Erkrankungen

Hilfe und Rat gegeben in fast 12.000 Seelsorge- und Beratungsgesprächen: Die TelefonSeelsorge Mittelrhein hat ihren Jahresbericht veröffentlicht.
Telefonseelsorge.de
Datum:
26. März 2024
Von:
Julia Fröder

Koblenz – Fast 12.000 Gespräche haben Ehrenamtliche der TelefonSeelsorge Mittelrhein im vergangenen Jahr geführt und fast 1.000 Mails beantwortet. Oft schildern die Ratsuchenden ihre Situation als einsam und isoliert und die Wahl der kostenfreien 0800-1110111 oder 0800-1110222 bzw. einer Nachricht über die Homepage ist der einzige alltägliche soziale Kontakt. Der Dienst am Telefon und auch per Mail wird von rund 70 Engagierten getragen und weitere werden gesucht, um die Erreichbarkeit an allen Tagen im Jahr und zu allen Uhrzeiten zu gewährleisten. Wer Interesse an diesem Ehrenamt hat, kann sich zu einem Ausbildungskurs anmelden, der im Frühsommer beginnt.

Die Besonderheiten des Dienstes bei der TelefonSeelsorge sind schnell zusammengefasst: Beide Seiten bleiben anonym; Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sind zu übernehmen, und vor dem ersten Einsatz findet eine intensive Ausbildung statt. Spezielle Vorkenntnisse sind nicht nötig; eine gewisse Sprachfähigkeit und ein wohlwollendes Interesse an anderen Menschen seien aber von Vorteil, so die Verantwortlichen. Fachlich geleitet wird die TelefonSeelsorge von einem ökumenischen hauptamtlichen Team. „Wir sind nicht diejenigen, die dem Ratsuchenden sagen, was sie machen sollen. Wir gehen gemeinsam auf die Suche, was im Moment hilfreich sein kann“, sagt der Diplom-Sozialpädagoge (FH) Ulrich Heinen als katholischer Hauptamtlicher.

Mehr Dienste mit weniger Personal

Trotz weniger aktiven Ehrenamtlichen leisteten die Mitarbeitenden im Jahr 2023 mehr Dienste als im Vorjahr. Ein durchschnittliches Telefongespräch dauert 26 Minuten; bei fast 70 Prozent der Anrufenden handelt es sich um Menschen, die schon häufiger die TelefonSeelsorge kontaktiert haben. Die Anrufenden berichten oft von einer depressiven Stimmung und von Ängsten, zunehmend in Verbindung mit Einsamkeit und diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Ein weiterer Themenschwerpunkt waren Beziehungskonflikte sowohl in Familien wie in Partnerschaften.

Die angesprochenen Themen in der Mail-Seelsorge unterschieden sich kaum von denen in den Gesprächen am Telefon – außer beim Thema „Suizid/Suizidalität“, das in Mails offener, direkter und auch häufiger beschrieben wurde, „was vielleicht auch daran liegt, dass die Mail-Seelsorge noch anonymer erscheint als das Gespräch am Telefon“, lautet die Vermutung von Heinen. Im Vergleich wird die Mail-Seelsorge deutlich häufiger von Menschen jüngerer Altersgruppen (20 bis 29 Jahre) in Anspruch genommen.

Anders als in den Vorjahren waren die „Corona-Krise“ und auch die kriegerischen Ereignisse und Konflikte der letzten Monate selten Anlass, die TelefonSeelsorge anzurufen oder die Mail-Seelsorge in Anspruch zu nehmen. „Interessant ist vielleicht auch, dass wirtschaftliche Probleme (‚Armut‘) seltener thematisiert wurden, als man vermuten könnte – dagegen nahm das Thema ‚Betreuung/Pflege‘ an Bedeutung zu“, heißt es im Jahresbericht.

Das Angebot der TelefonSeelsorge ist für alle Menschen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Konfession – offen.