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Bischof Ackermann unterstreicht Bedeutung der Jugendsozialarbeit:'Fit für den Job'-Jugendliche treffen Lokalpolitiker

Anlässlich des Josefstags hat Bischof Dr. Stephan Ackermann die Jugendberatungsstelle der Caritas Westeifel besucht.
Die Gruppe zusammen mit Bischof Ackermann
Datum:
20. März 2019
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Bitburg – Vor dem Gebäude der Caritas Bitburg hat sich am diesjährigen Josefstag, 19. März, ein nicht ganz alltägliches Bild geboten. Rund 20 sozial benachteiligte Jugendliche kamen mit Bischof Dr. Stephan Ackermann, Josef Winandy (Jugendamtsleiter Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Kommunalpolitikern zusammen, um gemeinsam eine Brücke zu bauen.

Der bundesweite Aktionstag unter dem Motto „Hände reichen – Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ soll katholische Jugendsozialarbeit sichtbarer machen und den Dialog zwischen jungen Menschen und politischen Entscheidungsträgern ermöglichen. Veranstaltet wird er vom Verein „arbeit für alle“ als Initiative im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zusammen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS e.V.) und der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj).

So unterschiedlich die zusammengewürfelte Gruppe aus einheimischen und geflüchteten Jugendlichen auch ist – sie alle können von Brüchen in ihren Lebensläufen berichten: abgebrochene Ausbildungen, drohende Obdachlosigkeit, kein Rückhalt aus der Familie. Ihre Perspektiven wären düster, gäbe es da nicht Waltraud Alten, Jugendscout bei der Caritas Westeifel und Pia Paulus von „Fit für den Job“ vom Trägerverein Lernen Fördern RLP. Sie helfen schnell und unkompliziert, etwa bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer Unterkunft. „Es ist sehr schwer für unsere Jugendlichen, eine passende Wohnung oder ein WG-Zimmer zu finden, das nicht allzu weit vom potentiellen Arbeitsplatz entfernt liegt“, bestätigte Andrea Ennen, Leiterin der Caritas-Dienststelle Bitburg. Wohnraum in der Stadt sei zu teuer, um ihn mit dem Maximalbetrag von 830 bis 850 Euro, der pro Monat zur Verfügung steht und alle Kosten decken muss, bezahlen zu können. Auf dem Land sei das Wohnen zwar günstiger, allerdings fahren in manchen Eifeldörfern nur 2 Mal am Tag Busse. „Beschäftigungen im Schichtdienst zum Beispiel sind damit de facto unmöglich“, sagte Paulus.

Mangel an Mobilität und finanziellen Möglichkeiten ist großes Problem

Der Mangel an Mobilität und finanziellen Möglichkeiten sei ein großes Problem, da waren sich alle einig. Die 18-Jährige Isabeau Crowly gab in der Diskussion ein konkretes Bespiel: „Selbst wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, kann man sich keine Kleidung kaufen, mit der man einen guten Eindruck machen kann.“ Einen ersten Schritt in Richtung Zukunft hat sie vor Kurzem gemacht – ein Praktikum in einer Tierarztpraxis. „Da habe ich mich zum ersten Mal richtig wohl und motiviert gefühlt bei der Arbeit!“, strahlte die 18-Jährige, deren Traum eine Ausbildung zur Tierarzthelferin ist.

Bischof Ackermann hörte den Schilderungen der Jugendlichen aufmerksam zu und hakte immer wieder nach, um von ihnen selbst zu hören, wie deren Situation verbessert werden könne. Auch unterstrich er die Bedeutung der Jugendsozialarbeit gegenüber Anja Esch, Ortsvorsteherin von Fließem und Kandidatin für die kommende Europawahl, und Michael Billen, Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion. Gemeinsam mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern betete er dafür, dass die jungen Frauen und Männer ihren Weg finden werden, und auch für diejenigen, die ihnen dabei zur Seite stehen.     

Ob die Aktion wirklich dazu beigetragen hat, dass sich Politikerinnen und Politiker mehr für die Belange der Jugendlichen einsetzen? Cynthia ist sich nicht sicher. „Die Jugend von heute hat Probleme. Deshalb hoffe ich sehr, dass sie sich für uns einsetzen – oder es wenigstens versuchen“, sagt sie. Susana hingegen, schon 20 und damit eine der Ältesten unter den jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ist zuversichtlich: „Sie haben uns ja zugehört. Ich denke schon, dass da Interesse besteht.“ Pascal hingegen ist kritisch: „Sie haben uns zwar freundlich zugehört – ich glaube aber nicht, dass sich wegen einer Aktion von einer Handvoll Jugendlichen wirklich was ändert.“

Gute Erfahrungen mit der Caritas

Mit der Caritas haben die vier allesamt gute Erfahrungen gemacht. „Es tut einfach gut, mit einem Erwachsenen zu reden, der einen ernst nimmt und Ahnung hat, wenn man im Dunkeln steht und nicht mehr weiter weiß“, sagt Isabeau, und Susana ergänzt: „Ich empfehle jedem Anlaufstellen wie die Caritas. Die gibt es ja, man muss sie halt auch nutzen. Hier, insbesondere von Frau Alten, habe ich die Unterstützung bekommen, die ich gebraucht hab.“ Auch Pascal ist überzeugt: „Man bekommt hier gezeigt, welche Möglichkeiten man hat. Und wird dann auch darin unterstützt.“

Die Holzbrücke, die der Bischof, die Jugendlichen und die Politiker bauen wollten, krachte übrigens nach einiger Anstrengung kurz vor der Fertigstellung unter lautem Gelächter in sich zusammen. Aber „Rückschläge passieren nun einmal. Das kann man nicht ändern. Doch das macht Euch nur stärker. Bleibt nicht stehen! Ihr selbst seid der Motor!“, motivierte Jugendscout Alten.

Weitere Infos zum Josefstag gibt’s unter www.josefstag.de. Wer sich für die Arbeit der Jugendscouts interessiert oder selbst Hilfe braucht, kann sich an die Jugendberatungsstelle der Caritas Westeifel wenden: Brodenheckstraße 1, 54634 Bitburg, Tel.: 06561-96710 oder per E-Mail an caritas@caritas-westeifel.de. Die Adresse der Homepage lautet www.caritas-westeifel.de.

(ih)

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