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Tafelkunden basteln Friedenstauben:„Frieden ist, als Mensch wahrgenommen zu werden“

Wo beginnt Frieden? Mit dieser Frage haben sich Kundinnen und Kunden der Tafel in Saarlouis auf Anregung des Caritasverbandes Saar-Hochwald und des Pastoralen Raums Saarlouis kreativ auseinandergesetzt.
Marina Mokin, Yurii Dykun, Anne Sturm, Yevheniia Dykun, Gisela Brill und Tetiana Safina betreuen die Aktion.
Datum:
27. März 2024
Von:
Ute Kirch
Tetiana Safina befestigt eine Friedenstaube.

Saarlouis – Angesichts der Kriege in der Welt ist der Wunsch nach Frieden größer denn je. Doch wo beginnt Frieden und was kann jeder Einzelne dazu beitragen? Mit diesen Fragen haben sich Kundinnen und Kunden der Tafel in Saarlouis auf Anregung des Caritasverbandes Saar-Hochwald und des Pastoralen Raums Saarlouis an zwei Nachmittagen beschäftigt. Gemeinsam haben sie Friedenstauben gebastelt, sie mit persönlichen Wünschen beschriftet und in einem Netz befestigt.

„Hintergrund ist die Jahreskampagne 2024 der Caritas in Deutschland ,Frieden beginnt bei mir‘“, erklärt Tafel-Koordinatorin Marina Mokin vom Caritasverband. Sie und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kommen mit den Menschen, die in einer langen Schlange vor der Tafel warten, ins Gespräch: „Was kannst Du bei Dir zu Hause, in der Familie, im Freundeskreis ändern, sodass Du selbst Frieden findest und Deine eigene Welt friedlicher wird?“ Manche Menschen reagierten zunächst resigniert, berichtet Mokin. Sie sagten: „Ich kann doch nichts ändern.“ Doch im Gespräch werde klar, dass es nicht um globale Ziele geht, sondern um den persönlichen Frieden. „Und hier kann jeder sehr wohl etwas ändern“, ist Mokin überzeugt. So könne etwa durch einen ruhigeren Umgangston zum Frieden in der eigenen Familie beigetragen werden.

In unterschiedlichen Sprachen haben Menschen ihre Wünsche auf die Friedenstauben geschrieben.

Arabisch, Deutsch, Ukrainisch, Russisch, Kurdisch – die Sprachen auf den Friedenstauben sind so verschieden, wie die Menschen, die ihre Wünsche aufschreiben. „Ich gehe mit Leuten so um, wie ich will, dass man mit mir umgeht“, steht auf einem Täubchen; „Ich lache und bekomme ein Lachen zurückgeschenkt“, auf einem anderen. Eine Ukrainerin schreibt: „Ich will Frieden für alle auf der Welt“. Zwei Friedenstauben haben Tafelkundinnen für die Ehrenamtlichen der Tafel gestaltet: „Unser Frieden ist, dass ihr so gut mit uns umgeht“ und „Frieden ist, woanders als Mensch wahrgenommen zu werden“. Über das Geschriebene kommen die Frauen und Männer während der Wartezeit auch untereinander ins Gespräch und tauschen sich aus. Außer Tauben können an den beiden Nachmittagen auch Blumenanstecker gebastelt werden. Davon machen vor allem die Kinder Gebrauch, während ihre Eltern für die Lebensmittel anstehen.

Über 100 Friedenstauben sind es am Ende geworden. „Wir werden einige Botschaften an Karsamstag in der Mittagsandacht 5 vor 12 in St. Ludwig vorlesen“, kündigt Pastoralreferentin Anne Sturm an. Dafür konnte sie Freiwillige gewinnen, die die Friedenswünsche zunächst in ihren Muttersprachen vortragen. Jeden Samstag findet um 11.55 Uhr in der Pfarrkirche St. Ludwig Saarlouis ein Mittagsgebet statt, das den Alltag für eine viertel Stunde unterbrechen will. „15 Minuten Zeit für mich und Zeit für Gott", so das Motto. Das Mittagsgebet wird von unterschiedlichen pastoralen Mitarbeitenden der Pfarrei und dem Pastoralen Raum Saarlouis vorbereitet.