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Trierer Dom: Soirée widmet sich den Erinnerungen an Renovierung und Wiedereröffnung :Geschenk und Auftrag zugleich 

Eine Soirée erinnerte an die Renovierung und Wiedereröffnung des Trierer Doms am 1. Mai 1974.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer
Datum:
3. Mai 2024
Von:
Rolf Lorig
Der Bischof von Münster und frühere Weihbischof von Trier, Dr. Felix Genn

Trier – Von 1964 bis 1974 war der Hohe Dom zu Trier wegen umfangreicher Bauarbeiten gesperrt - am 1. Mai 1974 wurde er wiedereröffnet. Neben einem Konzert am Vorabend des Domweihfestes und einem Hochamt am Vormittag stand daher der späte Nachmittag des 1. Mais mit einer Soirée im Zeichen der Erinnerungen an dieses Ereignis.   

Der Dom St. Peter: „Das sind 1700 Jahre Baugeschichte“, sagte Kunsthistorikerin Anna Hoppe, die durch das Programm führte. Das jüngste und möglicherweise auch schwierigste Kapitel dieser Geschichte begann kurz nach der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959, als bröckelnde Steine aus dem Gewölbe nach unten fielen. Menschen kamen damals zum Glück nicht zu Schaden. Die baulichen Untersuchungen aber ließen die Alarmglocken läuten: Das Mauerwerk war völlig aus dem Lot, die Außenmauern hingen mehr als 70 Zentimeter über. Weitere Untersuchungen erbrachten, dass das römische Fundament aus Holzpfählen, auf dem der Dom seit der Antike sicher gestanden hatte, weggefault war. Welche enorme Ingenieurleistung – zu dieser Zeit gab es noch keine Computer für die Planer – zur Rettung des Gebäudes erforderlich war, verdeutlichte Bauingenieur Dr. Dominik Jelschewski anhand von mehreren Schnittzeichnungen äußerst eindrucksvoll. Er berichtete, dass das Fundament mit Zement und Kalk gefestigt und der Dachstuhl durch eine Stahlkonstruktion neugestaltet wurde. Zig Tonnen von Beton und Stahl mussten in die Türme und in den oberen Teil des Bauwerks eingearbeitet werden, um ihm neue Stabilität zu verleihen.  

Architektonische und emotionale Größe 

Der frühere Bistumsarchitekt Alois Peitz

Nachdem Jelschewski die statische Sicherung des Domes und die damit einhergehenden Umbauarbeiten im Inneren in den Mittelpunkt gestellt hatte, war es an Dr. Felix Genn, dem heutigen Bischof von Münster, eigene Erinnerungen an den Dom St. Peter wach zu rufen. Für ihn sei der Dom immer schon nicht nur eine architektonische, sondern vor allem „eine emotionale Größe“ gewesen, berichtet der frühere Trierer Weihbischof. Die bauliche Größe entdeckte er erstmals bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959. Von 1969 bis 1974 studierte er am Trierer Priesterseminar, „da war der Dom für uns als Studierende eine verschlossene Größe“. Als der Dom 1974 wiedereröffnet wurde, hätten die Kosten die angehenden Theologen gespaltet: Knapp 40 Mio. DM kostete der Wiederaufbau. „So viel Geld, sagten einige damals – das hätte man besser den Armen gegeben“ – und seien aus Protest den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung ferngeblieben. Persönlich habe er immer den Wunsch gehabt, im Trierer Dom zum Priester geweiht zu werden, was 1976 auch in Erfüllung ging. 

Seine ersten Erinnerungen an den Trierer Dom verbindet der frühere Bistumsarchitekt Alois Peitz mit dem Frühsommer des Jahres 1939. Damals hatte sein Vater, ein Schlosser, einen Tag Sonderurlaub und einen Freifahrtschein für die Reichsbahn bekommen. Mit der ganzen Familie ging es nach Trier in den Dom. Dass dieser Ausflug zu einer Reise in das spätere berufliche Wirken von Alois Peitz werden würde, konnte zu jener Zeit niemand ahnen. Neben der Erinnerung an diesen Ausflug verbindet den Architekten eine große Nähe zu Bischof Bernhard Stein, der bei den Innenarbeiten dafür sorgte, dass der von den Gläubigen weit entfernte Altar in die Mitte des Raumes und damit „um 29,30 Meter“ näher an die Menschen rückte. Sein Fazit nach 50 Jahren: „Im Baubereich mit den Bildenden Künsten und mit der Musik zeigt sich, dass eine ‚ecclesia semper reformanda‘, eine immer reformbedürftige Kirche, sich immer erneuern kann.“ 

„Großbaustelle von babylonischem Ausmaß“ 

Der gebürtige Pole Henryk Sienkiewicz fungierte damals als Übersetzer

„Es war eine Großbaustelle von babylonischen Ausmaß“, erinnerte sich der gebürtige Pole Henryk Sienkiewicz. Er fungierte damals als Übersetzer; sorgte dafür, dass die polnischen Restauratoren die Anliegen der deutschen Auftraggeber verstanden. Doch sei die Sprache nicht die einzige Hürde gewesen, die genommen werden musste. „Die Deutschen arbeiteten acht Stunden, die polnischen Restauratoren sechs Stunden.“ Der Grund habe in den Dämpfen der gesundheitsgefährdenden Chemikalien gelegen, die eine kürzere Arbeitszeit erforderten. Zudem hätten die Restauratoren täglich einen Liter Milch erhalten – als vorbeugende Maßnahme, um die giftigen Stoffe zu binden. 

„Diese Soirée hat mir viele neue Erkenntnisse über den Dom gebracht,“ hielt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer fest, die nach eigener Aussage den Dom als Ort der Ruhe und Kraft sehr schätzt. „Der Dom ist nicht nur für Trier, sondern für das gesamte Umland ein wichtiger Ort.“ Dem stimmte Bischof Dr. Stephan Ackermann zu. Er erinnerte sich noch gut an die Wahl, als es um die Nachfolge für den verstorbenen Bischof Dr. Hermann-Josef Spital ging und er sich vor der Bekanntgabe des Ergebnisses eine Auszeit im Dom genehmigte, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Für ihn steht fest: „Der Dom ist ein Geschenk und Auftrag zugleich.“