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Trier hat mit ökumenischem Gottesdienst der Opfer der Amokfahrt gedacht:Gottes Gegenwart in Sprachlosigkeit und Trauer

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hohen Domkirche hat Trier der Opfer der Amokfahrt gedacht.
Ökumenisch verbunden in der Trauer: Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland Christoph Pistorius, Erzpriester Dr. Georgios Basioudis, griechisch-orthodoxe Kirche, Bischof Dr. Stephan Ackermann und Apostel Clément Haeck von der Neuapostolischen Kirche (v.r.n.l.) (Fotos: Helmut Thewalt/Bistum Trier)
Datum:
1. Dez. 2021
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – In einem ökumenischen Gedenkgottesdienst am 1. Dezember gedachten Bischof Dr. Stephan Ackermann und Vertreter der Evangelischen, der Neuapostolischen und der Griechisch-Orthodoxen Kirche gemeinsam mit rund 350 Gottesdienstbesucherinnen- und besuchern der sechs Todesopfer der Amokfahrt von Trier. Auch erinnerten sie an das Leid der verletzten und traumatisierten Menschen sowie an den Einsatz der zahlreichen Rettungskräfte. Genau zur Tatzeit um 13.46 Uhr begann die Helena-Glocke zu läuten. Für vier Minuten erinnerte ihr Klang an die schreckliche Tat, bei der vor genau einem Jahr der heute 52-jährige mutmaßliche Täter mit einem Auto durch die Trierer Innenstadt gerast war.

Bei der Amokfahrt waren ein 45-jähriger Vater, sein neun Wochen altes Baby sowie drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren zu Tode gekommen. Ein 77-jähriger Mann verstarb im vergangenen Oktober an den Folgen seiner Verletzungen. Auch an das Leid der 18 schwer verletzten Menschen, der vielen bis heute Traumatisierten und der Einsatzkräfte im Hilfs- und Rettungsdienst, die vor Ort im Einsatz waren, erinnerten die Gottesdienst-Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Dom.

Der 1. Dezember 2020 habe zu Beginn der Adventszeit „unsere Stadt Trier verändert“, sagte Bischof Ackermann. Er feierte den Gottesdienst zusammen mit Christoph Pistorius, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Apostel Clément Haeck von der Neuapostolischen Kirche und Erzpriester Georgios Basioudis von der griechisch-orthodoxen Kirche. An dem live übertragenen Gottesdienst nahmen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe sowie Mitglieder des Stadtrats teil.

Bischof Dr. Stephan Ackermann

Die Ermutigung, einander beizustehen

„Tief betroffen und traurig nehmen wir Anteil, genauso wie viele andere Schülerinnen und Schüler von unserer Schule“, sagte Leo Pfeifer, Schüler am Gymnasium Saarburg. Zusammen mit seinen Mitschülerinnen Finia Wiens und Mattea Walter stellte er ein Projekt vor, bei dem die Schüler unmittelbar nach der Amokfahrt im Kunstunterricht Tonfiguren gestaltet hatten. „Mit ihnen möchten wir unser Mitgefühl sowie unsere Trauer ausdrücken und die Figuren als Geschenk unserer Verbundenheit in den Dom bringen.“ Bischof Ackermann dankte den Schülern für die Figuren, die zeigten, dass „die Beschäftigung mit diesem schrecklichen Ereignis alle Generationen betrifft“, und die im Dom zum Gedenken ihren Platz finden werden. „Als klein und zerbrechlich – fast unscheinbar“ seien sie beschrieben. „Dennoch ist die Haltung, in der sie dargestellt sind, eindrücklich“, stellte Ackermann fest und betonte die Bedeutung von Erinnerungsorten „zu denen wir mit unseren Gefühlen und Fragen kommen können“. Figuren und Gedenkorte könnten zwar kein Leben zurückbringen, aber „sie ermutigen dazu, einander beizustehen und aufzurichten“. Besonders dankte der Bischof den Einsatzkräften, die „genau das versucht haben und dabei schmerzlich auch ihre Grenzen spüren mussten“. Neben der Erinnerung und dem Leid stehe an dem Tag die Bitte, dass „Gott uns etwas sagt: hinein in unsere Sprachlosigkeit und Trauer, in unsere Wut auf Tat und Täter, hinein in Angst und Furcht“, erklärte Vizepräses Pistorius. Er verwies auf Gottes Treue bis in den Tod hinein und darüber hinaus. „Das ist unser christlicher Glaube. Es ist eine Zusage, ein Versprechen.“ Er lade ein „zur Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, für die gemeinsame Zeit, das eigene Leben und für die Menschen, die mit uns durch das Leben gehen“.

Mit dem Fürbittgebet für alle Betroffenen, der Bitte um den Segen und dem Schlusslied „Von guten Mächten treu und still umgeben“ endete die Gedenkstunde. Musikalisch gestaltet wurde sie unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer von Domorganist Josef Still an der Schwalbennestorgel, Ulrich Krupp an der Chororgel, dem Vokalensemble der Dommusik, dem Orchester „L’arpa festante“ sowie Kantorin Christina Elting und Tenor Tilman Lichdi.

(Christine Cüppers/red)

Gottesdienst in der SWR-Mediathek

Hier finden Sie den Mitschnitt des Gottesdienstes aus dem Trierer Dom in der SWR-Mediathek

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