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Bistum Trier feiert Heilig-Rock-Fest mit Gottesdienst, Gebet und Abendlob:Gottes Heilmittel: Liebe und Solidarität

Im Bistum Trier ist das Heilig-Rock-Fest mit Gottesdienst, Gebet und Abendlob gefeiert worden.
Bischof Ackermann bei der Predigt zum Heilig-Rock-Fest
Datum:
25. Apr. 2020
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – „Im Blick auf den Heiligen Rock können wir in diesem Jahr nicht nur dankbar dafür sein, dass der Gottessohn „Menschenkleid“ getragen hat, wie wir in unseren Heilig Rock-Liedern singen, sondern besonders dafür, dass er dieses Kleid abgelegt hat, um uns Menschen in allem gleich zu sein, gerade auch in unserer Verletzlichkeit und Schwäche.“ Das hat Bischof Dr. Stephan Ackermann am Fest des Heiligen Rocks (24. April) in seiner Predigt beim nicht-öffentlich zugänglichen, aber live gestreamten Gottesdienst im Trierer Dom betont. Wer daran glaube, könne zuversichtlicher mit den Schwächen der menschlichen Existenz umgehen; könne Unsicherheiten tragen und aushalten.

Der Bischof sagte, verbindend bei den biblischen Texten im Gottesdienst vom Sündenfall sowie dem Würfeln um die Kleider Jesu nach der Kreuzigung sei, dass sie vom Menschen in seiner Blöße und in seiner Verletzlichkeit sprechen. Auch die aktuelle Situation der Corona-Pandemie lenke den Blick gerade auf diesen Aspekt: „Denn das Coronavirus lässt uns Menschen des 21. Jahrhunderts in nie gekannter Weise unsere Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit deutlich werden“, ob als Einzelne, als Gesellschaft oder Nationen oder als Glaubensgemeinschaft. „Geben wir es zu: Wir stehen, bildlich gesprochen, ziemlich blank und nackt da. Wir tasten uns allesamt in der Bewältigung der Krise nur Schritt für Schritt vor. Da ist kein Masterplan - weder persönlich, noch medizinisch, noch politisch und gesellschaftlich, noch religiös-kirchlich …Wer das behauptet, ist ein Scharlatan und gibt das berühmte „Feigenblatt“ als Schutzanzug aus.“

 

Statio in der Heilig-Rock-Kapelle

Gottes Heilmittel ist Solidarität und Liebe

Zugleich sei die biblische Botschaft aber ehrlich und tröstend zugleich: Sie überspiele das Gefährdet sein und die Schwäche des Menschen nicht. Und zugleich spreche sie vom Menschen in seiner Würde, der nach dem Abbild Gottes geschaffen ist. „Das bleibt. Das nimmt Gott nicht zurück, aber Größe und Würde des Menschen sind verwundbar und bleiben gefährdet.“ Am wichtigsten jedoch sei, so Ackermann, dass Gott nicht nur wie bei Adam und Eva den Menschen auch wieder bekleide. „Stattdessen wird er aus Liebe zum Menschen selbst Mensch bis hin zur völligen Entblößung. Am Ende hängt er selbst nackt und hilflos am Kreuz.“ Gottes Weg heiße nicht Zudecken und Wegschauen. „Sein Weg heißt Hinschauen und Sich-Aussetzen.“ Sein Heilmittel sei Solidarität und Liebe zum Menschen bis zum Äußersten. Und wenn Paulus dann den Galatern schreibe „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt“, dann sei dieses Gewand „keine Art von Schutzausrüstung, an der alles abperlt und die die Christen im Unterschied zu allen anderen unverwundbar machen würde“. Vielmehr soll dieses Gewand, also seine Botschaft, „für uns zu einer Art zweiter Haut werden, die nach dem Vorbild Jesu empfindsam ist für das Leben in seinen Höhen und Tiefen und vor allem für die Menschen, unter denen wir leben“.

 

Zum Abendlob war der Dom in besonderes Licht getaucht.

Stilles Gebet und Abendlob

Tagsüber war die Heilig-Rock-Kapelle zum stillen Gebet geöffnet. Außerdem konnten Menschen ihre Fürbitten per Mail nach Trier schicken, wo sie im Laufe des Tages von Mitgliedern des Domkapitels im Gebet vor Gott gebracht wurden. In vielen verschiedenen Anliegen wurde so gebetet, unter anderem für Kinder und Familien,  für alte, kranke und sterbende Menschen  oder für Erzieherinnen und Lehrer. Eine Frau schrieb: „Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du die Herzen mit Deiner Sanftheit.“ Auch an den Gottesdienst schloss sich eine Statio in der Heilig-Rock-Kapelle an.

Das Heilig-Rock-Fest endete mit dem Abendlob. Domkantorin Christina Elting, Johannes Still an Piano und Synthesizer und Josef Still an der Domorgel intonieren unter anderem die Heilig-Rock-Lieder „Freu dich, du Christenheit“, „Gott von Gott tritt stille“ und „Wir wichen aus, dein Wort hält stand“. Die Musik wurde mit Impulsen von Judith Rupp, Tim Sturm und Marco Weber ergänzt.

„Und führe zusammen, was getrennt ist“

Immer am Freitag der zweiten Osterwoche feiert das Bistum den Gedenktag des Heiligen Rocks, der Tunika Christi, die Kaiserin Helena der Überlieferung nach in die Domstadt gebracht hat. Normalerweise feiert das Bistum ab dann die zehntägigen Heilig-Rock-Tage als Bistumsfest. In diesem Jahr müssen sie wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Nur anlässlich der unregelmäßig stattfindenden Wallfahrten wird der Heilige Rock auch gezeigt. Bei der Wallfahrt 1959 entstand das Pilgergebet, das bis heute gebetet wird: „Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit, und führe zusammen, was getrennt ist.“ Weitere Informationen sind hier zu finden.

(JR)

Die Predigt von Bischof Ackermann können Sie hier im Wortlaut nachlesen.


Bildergalerie: Abendlob am 24. April 2020

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