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Parcours hilft Jugendlichen bei Lebensentscheidungen:Gut vorbereitet in die Berufswahl

Weiter die Schulbank drücken oder rein ins Berufsleben? Kirche und Jugendarbeit kooperieren beim dritten Entscheidungsfindungs-Parcours
„Grenzen“ war eine der Stationen (Fotos: Simone Bastreri/Bistum Trier)
Datum:
16. März 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Traben-Trarbach – Eine Packung Twix mit den bekannten zwei Schokostangen liegt auf dem Stuhl neben Achtklässler Phillip, der konzentriert mögliche spätere Berufswünsche auf eine Pappkarte schreibt. Zwei Stangen, die symbolisch für verschiedene Traumberufe stehen und Phillip und seinen Mitschülern zeigen sollen: Es ist gut, einen Plan B in der Hinterhand zu haben, falls es mit Plan A doch nichts werden sollte. Die Station ist Teil des Entscheidungsfindungs-Parcours, der inzwischen zum dritten Mal an der Realschule Plus in Traben-Trarbach angeboten wird und ein Kooperationsprojekt des Caritasverbands Eifel-Mosel-Hunsrück und des Pastoralen Raums Wittlich ist. Ausbildung oder Schule, einen Job in der Natur oder im Büro, in der Heimat bleiben oder in die Ferne ziehen? Der Parcours soll die Achtklässler auf die Berufswahl vorbereiten und ihnen dabei helfen, persönliche Stärken und Talente herauszufinden und Entscheidungen für das eigene Leben fundiert zu treffen. Entsprechend heißen die acht Stationen des Parcours in vier verschiedenen Räumen der Realschule etwa „Grenzen“, „Mein Bauchgefühl“ oder „Entscheidungshelfer“ und laden die jungen Leute dazu ein, sich selbst ein kleines Stück besser kennenzulernen.

Geboren wurde die Idee zum Parcours aus dem schon seit 2010 etablierten Ausbildungspatenprojekt an der Schule, das Caritas und Dekanat ins Leben gerufen hatten, berichtet Projektkoordinatorin Silke Heiseler. Ehrenamtliche unterstützen dabei ihre „Patenkinder“ bei der Berufsorientierung, bei der Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsplätzen. „Uns fiel in den letzten Jahren zunehmend auf, dass es den Jugendlichen immer schwerer fällt, Entscheidungen zu treffen. Daraus entstand dann dieses Gruppen-Angebot, das den Jungs und Mädels Strategien zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt. Da hier auch die Ausbildungspaten mitarbeiten, entstehen dadurch wieder persönliche Kontakte und mögliche Patenschaften.“ Der Workshop erhielt viel positives Feedback von den Schülerinnen und Schülern, sodass es inzwischen sogar eine Multiplikatorenschulung gab, um den Parcours auch an anderen Schulen und Einrichtungen anbieten zu können.

Phillip wird sein Praktikum in einer Autowerkstatt absolvieren.

Herausfinden, wo die eigenen Interessen liegen - und auch persönliche Grenzen

„Vielleicht finde ich so noch bisschen mehr über meine Stärken heraus“, sagt Phillip. Der 14-Jährige findet die Stationen hilfreich und notiert seine Erfahrungen und Selbsterkenntnisse in einem begleitenden Bullet-Journal (Notizbuch). Ihm fiel die Wahl eines Praktikumsplatzes leicht: „Ich interessiere mich sehr für Autos und Motorräder und gehe zu einer Automechaniker-Werkstatt hier vor Ort.“ Bei Entscheidungen denke er immer erst einmal gründlich nach – ob beim Sport im Verein oder in anderen Lebensbereichen. Was seine Zukunft betrifft, ist Phillip schon sehr reflektiert: „Ich möchte einen Beruf nicht danach wählen, ob er das große Geld bringt, sondern ob er mir auch ein Leben lang Spaß macht.“ Anders als bei Phillip war es für Charlotte schwieriger, ihren Wunsch-Praktikumsplatz zu ergattern. Die tierliebe 14-Jährige reitet von Kindesbeinen an und möchte gerne einmal als Bereiterin oder Pferdewirtin arbeiten – doch in beiden Bereichen hieß es wegen Corona Fehlanzeige bei den Praktikumsplätzen. Nun wird sie in einer Tierarztpraxis unterkommen – nicht unbedingt ihre Wunschvorstellung. „Meine Mutter unterstützt mich da sehr und kennt mich am besten. Ansonsten rede ich aber auch oft mit meinen Freunden über solche Entscheidungen“, sagt Charlotte. Der Parcours helfe dabei, sich eigene Vorlieben und Stärken nochmal bewusst zu machen. „Eben habe ich an der Station ‚Grenzen‘ einige Berufe ausschließen können – so wäre Schichtarbeit etwa nichts für mich.“

Die Jugendlichen notieren ihre Selbsterkenntnisse in einem Notizbuch.

Jugendlichen als Kirche zur Seite stehen und sie in ihren Talenten bestärken

Hubert Friedrich, einer der langjährigen ehrenamtlichen Ausbildungspaten, erklärt an Station eins und zwei, warum Entscheidungen ruhig auch mal revidiert werden können. Selbst große Persönlichkeiten wie Walt Disney, Michael Jordan oder Johnny Depp seien nicht immer vom Erfolg geküsst gewesen, sondern hätten viele Versuche auf ihrem Weg zu Erfolg und Ruhm gebraucht. Aus den Parcours, so Friedrich, entstünden bei mehr Unterstützungsbedarf die Ausbildungspatenschaften. „Das Einzigartige ist, dass Jugendliche über einen längeren Zeitraum individuell von ihren Paten unterstützt werden und auch mal über Dinge sprechen können, die sie vielleicht im familiären Umfeld nicht so gern ansprechen möchten.“ Armin Surkus-Anzenhofer, Pastoralreferent im Pastoralen Raum Wittlich, untermauert das kirchliche Engagement in diesem Bereich mit einer einfachen Botschaft: Bei der Berufs- oder Praktikumswahl geht es auch um Lebensentscheidungen. Letztlich gehen wir davon aus, dass Gott jeden Menschen zu etwas berufen hat und möchte, dass das Leben jedes einzelnen gelingt. Wenn am Ende des Tages die Jugendlichen gemerkt haben: ‚Hier geht es um mich‘ und sie etwas für sich mitnehmen können, dann haben wir als Kirche was vom Evangelium vermittelt.“ So sieht es auch Tim Sturm, Leiter der Berufepastoral im Bistum Trier, der das Projekt anlässlich des Josefstages besucht. Der Aktionstag stellt jährlich die katholische Jugendsozialarbeit, besonders die Jugendberufshilfe in den Fokus. „Die Jugendlichen merken ja, dass die Wahlmöglichkeiten mehr werden, dass der Leistungsdruck höher wird. Da wollen wir ihnen auf ihrem Weg zur Seite stehen, gute Entscheidungen für sich zu treffen und auch eine gewisse Ruhe und Gelassenheit zu entwickeln, wenn etwas mal nicht so rund läuft. Das gehört zu den Kernkompetenzen von Kirche: Menschen zuhören, sie begleiten – ohne Druck oder Erwartungen – und ihnen vermitteln: Gott hat jedem einzelnen Talente geschenkt, die wir nutzen und fördern können.“

Unterstützt wird das Projekt von der Aktion Arbeit des Bistums Trier, die sich für Langzeitarbeitslose und Berufseinsteiger einsetzt. Mehr Informationen gibt es bei Silke Heiseler, Tel.: 06571-9155-41, E-Mail: s.heiseler(at)carits-meh.de, auf www.caritas-mosel-eifel-hunsrück.de und www.aktion-arbeit.de
(sb)

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