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Dekanatsleitungen treffen sich mit Bistumsleitung zum Austausch:Haltungen und Handlungsorientierungen im Blick

Einmal im Halbjahr treffen sich die Dekanatsleitungen mit der Bistumsleitung zum Austausch - coronabedingt dieses Mal erneut virtuell.
Die Perspektivwechsel, die die Synode festgeschrieben hat, sind immer wieder Themen bei den Austausch- und Beratungstreffen.
Datum:
19. Juni 2021
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – „Es geht um Haltungen und Handlungsorientierungen.“ Mit dieser Einschätzung von Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg lassen sich die Themen bei dem halbjährlich stattfindenden Austausch der Bistumsleitung mit den Dechanten (Leitern) der Dekanate im Bistum Trier oder ihren Vertreterinnen und Vertretern überschreiben. Rund 50 Personen, darunter auch Abteilungsleiter aus dem Bischöflichen Generalvikariat (BGV) Trier, nahmen an der Videokonferenz am 16. und 17. Juni teil, die von Edith Ries (Synodenbüro) und Frank Kilian (Arbeitsbereich Organisationsentwicklung/Prozessmanagement) moderiert wurde.

Hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit

Der erste Blick galt dem Stand der Synodenumsetzung. Christian Heckmann vom Synodenbüro informierte zusammen mit Dr. Martin Messingschlager vom PRAGMA Institut in Reutlingen über Tendenzen aus der Sondierungsphase zur Pfarreienreform, die am 30. Juni endet. Die Bereitschaft zum Zusammenschluss auf der Ebene der bisherigen Pfarreiengemeinschaften sei groß; das lasse sich schon jetzt sagen. Viele befragte Gremien und Dekanats- und Pastoralteams berichteten von guten Erfahrungen der Zusammenarbeit oder sähen die Notwendigkeit zur Fusion. Um die 30 Pfarreiengemeinschaften könnten sich eine Fusion bereits 2022 vorstellen, erklärte Ulrich Britten aus der Abteilung „Seelsorge und Pastorales Personal“, die die Zusammenschlüsse (https://www.bistum-trier.de/pfarreien-einrichtungen/dekanat-pfarrei/pfarreifusion) federführend begleitet; andere wollten die gesetzte Zeitspanne bis 2025 nutzen. Kritische Rückmeldungen sprechen eher von Angst vor einem Bedeutungsverlust in größeren Räumen, fühlten sich unter Zeitdruck oder nicht gut genug informiert. Den anstehenden Gremienwahlen im November sähen viele Verantwortliche eher mit Spannung entgegen, berichtete der im BGV zuständige Referent Dr. Thomas Fößel, und zeigte die möglichen Varianten auf (siehe https://www.bistum-trier.de/wahlen2021). Kontrovers diskutierten die Dekanatsleitungen die Errichtung der Pastoralen Räume, die Bischof Dr. Stephan Ackermann ab 2022 umsetzen will. Heckmann erinnerte daran, dass gerade die Pastoralen Räume dem Ziel dienten, die Impulse der Diözesansynode umzusetzen und durch eine verbindlichere und wirksamere Vernetzung viele Synergien schaffen wollten. In diesem Zusammenhang bekräftige Ackermann erneut, dass die Sondierungsphase „ernst gemeint“ sei: „Wir warten die Ergebnisse ab, es sind noch keine Entscheidungen gefallen.“ 

Für Mensch und Welt da sein

Wie die Kirche von Trier künftig stärker den Dienst am Menschen verwirklichen will, zeigten Rita Schneider-Zuche, Abteilungsleiterin im Diözesan-Caritasverband, Dr. Thorsten Hoffmann (stellvertretender Leiter SB 2 Personalplanung und -entwicklung) und Ulrich Stinner (Abteilungsleiter Pastorale Grundaufgaben im BGV) auf: Mit Impulsveranstaltungen zunächst für Hauptamtliche und verschiedenen Bausteinen der Bewusstseinsbildung soll der Start für diese diakonische Kirchenentwicklung gesetzt werden. Die Dechanten waren sich einig, dass dies ein deutliches Umdenken erfordere. Das bestätigte Mechthild Schabo, Direktorin des Bereich „Pastoral und Gesellschaft“ im BGV, die diese Entwicklungsaufgabe gemeinsam mit Diözesan-Caritasdirektorin Dr. Birgit Kugel verantwortet: „Durch die vorgestellten Maßnahmen wollen wir uns selbst die Frage stellen, wie wir da sein können für Menschen und Welt, damit sich so unsere Haltungen und Handlungen verändern.“ Zusammen mit Stinner und dem Abteilungsleiter Jugend im BGV, Matthias Struth, stellte sie die angedachten Lernpartnerschaften zu verschiedenen Themenfeldern (https://www.bistum-trier.de/teilprozessgruppen-arbeitsgruppen/) vor. Ziel sei es, durch exemplarisches Lernen zu gemeinsamen Standards zu kommen und diese in die Verbindlichkeit zu bringen.

Eine Resonanz erbat der Generalvikar zu Überlegungen für eine neue Gremien-Struktur auf diözesaner Ebene, um das synodale Prinzip weiter zu verwirklichen, und zur Anpassung der Struktur des Generalvikariates an die Veränderungen in der Fläche des Bistums aufgrund der Synodenumsetzung. Verwaltungsbezogene Themen wie die Prüfung der Pfarrbücher oder Prozessbeschreibungen etwa für die Profanierung von Kirchen gehörten auch zur Tagesordnung.

Institutionelle Aufarbeitung beginnt – Prävention als Thema für die Pfarreien

Ein weiteres größeres Themenfeld war der Bereich der Aufarbeitung von sexueller Gewalt im Raum der Kirche und die Prävention. Im Sinne einer „Fortschritts-Anzeige“ erinnerte Bischof Ackermann daran, dass individuelle Aufarbeitung bereits seit 11 Jahren stattfinde. Die institutionelle Aufarbeitung für das Bistum Trier (www.bistum-trier.de/aufarbeitung) hingegen werde nun entsprechend der Vereinbarung mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für diese Fragen angegangen. Mit der Konstituierung eines Betroffenenbeirats im Bistum konnten auch die Vertreter in die Aufarbeitungskommission benannt werden. Ackermann räumte ein, dass das Finden dieser Gremien zwar Zeit gebraucht habe, aber „ich wollte nicht, dass die Aufarbeitungskommission ohne Betroffenenvertretung startet“, betonte er. Während der Betroffenenbeirat die Bemühungen des Bistums im Bereich Aufarbeitung, Prävention und Intervention kritisch begleitet, liege die Aufarbeitung in den Händen der Unabhängigen Kommission. Und auch wenn er der Kommission verschiedene Fälle oder Zeiträume besonders ans Herz legen wolle, respektiere er deren Freiheit bezogen auf Themen und Arbeitsweise.

Die Präventionsbeauftragten Angela Dieterich und Dr. Andreas Zimmer erinnerten daran, dass es zu den Aufgaben der Pfarreiengemeinschaften gehöre, ein Schutzkonzept zur Prävention von sexualisierter Gewalt vorzuhalten. Das Thema „macht weiterhin Mühe“, sagte Zimmer, und gehöre nicht zu den Aufgaben, mit denen man sich mit Freude befasse. Gerade deshalb aber wolle man die Pfarreien mit „Rezepten und Begleitung“ unterstützen. Auch hier gehe es um eine Haltungsänderung, und so sei das Schutzkonzept „ein Baustein in einem ganzen Mosaik“, sagte Dieterich.

(JR)