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Bolivien-Kollekte unterstützt Resozialisierung von straffälligen Jugendlichen:Jungen Menschen in Bolivien eine Perspektive geben

Die Bolivien-Kollekte am 1. und 2. Oktober unterstützt die Resozialisierung von straffälligen Jugendlichen.
Besuch im Centrum Fortaleza (Foto: J. Fröder/Bistum Trier)
Datum:
2. Aug. 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Santa Cruz/Trier – Miguel und Juan stehen inmitten eines kleinen Gärtchens in einem Vorort der größten Stadt Bolivien, Santa Cruz. Sie erklären den Teilnehmenden einer Delegationsreise aus dem Bistum Trier, darunter auch Bischof Dr. Stephan Ackermann, wie sie Bananen, Papaya und Gemüse anbauen. Hier handelt es sich allerdings nicht um ein gewöhnliches Gartenprojekt einiger Jugendlicher: Miguel und Javier sitzen im Centrum Fortaleza eine Jugendhaftstrafe ab. „Wir lernen durch die Gartenarbeit wieder auf die Beine und zurück zu unseren Familien zu kommen”, sagt Miguel.

Das Zentrum in katholischer Trägerschaft bietet 34 Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren die Chance, ihre Haftstrafe nicht in einem Jugendgefängnis abzusitzen, sondern in ihrer Haftzeit schulische, soziale und praktische, sowie spirituelle Bildung zu erfahren. „Unser Ziel ist die Wiedereingliederung der Jugendlichen in die Gesellschaft und die Versöhnung mit ihren Familien sowie ihren Opfern. Dies geschieht mit unterschiedlichen Dialogprogrammen”, berichtet der Direktor der Einrichtung, Mario Mazzoleni. Um dies zu erreichen, gibt es ein vielfältiges Betreuungsprogramm durch Sozialarbeiter, Pädagogen, Psychologen, Anwälten, wie auch verschiedenen Berufsexperten, etwa Elektrikern, die den Jugendlichen praktische Inhalte vermitteln. Auch den Schulabschluss können die Jungs hier nachholen. Durch Projekte wie das Gärtnern lernen sie Verantwortungsbewusstsein. „Die Produkte werden hier gegessen und zum Teil verkauft”, berichtet Mazzoleni. „Die Arbeit mit den Pflanzen erfordert Motivation und Geduld – wichtige Aspekte, die zu einer Resozialisierung führen.”

Im Gespräch mit Jugendlichen (Foto: J. Fröder/Bistum Trier)

Santa Cruz de la Sierra ist nicht nur die größte Stadt Boliviens, sondern gehört neben La Paz, El Alto und Cochabamba auch zu den Städten Boliviens mit den größten Armenvierteln. Perspektivlosigkeit und Armut führen dazu, dass vor allem Jugendliche aus schwächeren sozialen Schichten Gefahr laufen, in die Kriminalität abzurutschen und straffällig zu werden. Das Zentrum Fortaleza in Santa Cruz besteht seit dem Jahr 2001 und nimmt sich genau dieser Jugendlichen und ihrer Familien an. Da nicht alle Maßnahmen in der Einrichtung durch staatliche Gelder ausfinanziert sind, ist das Zentrum auf Spenden angewiesen. Die Bolivien-Kollekte am 1. und 2. Oktober wird daher in diesem Jahr an das Resozialisierungsprojekt gehen. Die Höchststrafe für Jugendliche beträgt in Bolivien sechs Jahre. Diese Zeit können die jungen Männer komplett in der Einrichtung verbringen, auch wenn sie dann bereits über 18 Jahre alt sind. Die Jugendlichen im Centrum Fortaleza müssen Haftstrafen wegen Drogenhandels, Gewalt sowie Vergewaltigung und Mord verbüßen. Insgesamt wurden seit Bestehen des Zentrums 1085 Jugendliche aufgenommen, von denen der allergrößte Teil – 950 Jugendliche – erfolgreich gefördert und wie-der in die Gesellschaft integriert werden konnte. Eine verlässliche Statistik über die Nachhaltigkeit des Projekts gibt es zwar nicht, Mazzoleni schätzt die Rückfallquote allerdings als sehr gering ein.

Wer spenden möchte, kann dies auf das Konto Bistum Trier – Bolivienpartnerschaft IBAN: DE62 3706 0193 3007 8480 47, BIC: GENODED1PAX, Spendenvermerk: Zentrum Fortaleza.

(jf)