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Neu gestaltete Kirchenfenster:Kunst bereichert die Gesellschaft

Die afghanische Künstlerin Dr. Mahbuba Maqsoodi hat über ihr Leben und Arbeiten berichtet. In der Abtei Tholey hat sie bis auf die drei Werke von Gerhard Richter die Kirchenfenster neu gestaltet.
Künstlerin Mahbuba Maqsoodi (links) spricht mit Simone Bastreri über ihre Kunst und ihr Leben.
Datum:
8. Juni 2024
Von:
Rolf Lorig/Paulinus Wochenzeitung im Bistum Trier

Trier. Eine Muslima, die in einer katholischen Abtei biblische Motive auf Glas realisiert und dort in einem Atemzug mit Gerhard Richter genannt wird. Eine solche Frau müsste Interesse wecken, dachte sich Cäcilie Fieweger nach einem Besuch der Abtei. Sie gehört dem Diözesanvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) an, fand für die Idee Zuspruch und organisierte mit kfd-Geschäftsführerin Petra Erbrath, mit der Katholischen Erwachsenenbildung und den Josefsschwestern die Veranstaltung im Josefsstift.

Rasch geklärt war auch die Moderation: Simone Bastreri von der Bischöflichen Pressestelle erwies sich als Glücksgriff. Über das Buch der Künstlerin („Der Tropfen weiß nichts vom Meer“, Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-20156-9, Preis 22 Euro) hatte sie sich bestens vorbereitet. Knappe zwei Stunden dauerte das Gespräch, in dem die 70 Besucherinnen und Besucher viel über den Menschen Mahbuba Maqsoodi erfuhren.

Kunst hat in vielen Ländern keinen hohen Stellenwert. Jeder liebt die Kunst, aber die Künstler werden nicht wirklich respektiert.

Künstlerin Mahbuba Maqsoodi

Maqsoodi hatte sechs Schwestern, was in Afghanistan schon ungewöhnlich ist, zählen Frauen in dem Land doch nicht viel. Die Geburt einer Tochter verheißt Unheil, Mädchen bringen Kummer und Sorgen. Dass eine Familie sogar sieben Mädchen hat, hätte manchen Vater verzweifeln lassen. Nicht aber ihren: „Papa hat jede Einzelne von uns freudig willkommen geheißen“, erzählt sie.

Das Glück verließ sie nicht. Während andere Familien die Mädchen als billige Arbeitskräfte verkauften, habe sie Bildung genossen und schulbegleitend eine Ausbildung in der persischen Miniaturmalerei gemacht. Nach dem Abitur arbeitete Maqsoodi als Gymnasiallehrerin. Sogar ihren Mann, den jungen Künstler Fazl Maqsoodi, habe sie selber auswählen und heiraten können. Auch politisch war sie aktiv, setzte sich für die Rechte der Frauen ein.

Dass Mahbuba Maqsoodi ihr Heimatland nach wie vor liebt, wird deutlich, wenn sie über das Land und seine Farben spricht. Und doch haben sie und ihre Schwestern Afghanistan verlassen, nachdem eines der Mädchen von einem islamischen Terroristen erschossen wurde. „Kunst hat in vielen Ländern keinen hohen Stellenwert. Jeder liebt die Kunst, aber die Künstler werden nicht wirklich respektiert“, sagt die in München lebende promovierte Künstlerin, die an der Akademie im russischen St. Petersburg ihrer Berufung folgte.

Kunst als nahrung für die Seele

Dass sie als afghanische Künstlerin mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde, erwähnt sie nicht. Viel wichtiger ist es ihr, über ihre Arbeit zu sprechen. Ihr Antrieb sei seit jeher ein alter persischer Künstler, der Kunst als Nahrung für die Seele bezeichnet hat. Sein Umkehrschluss sei für sie sehr schlüssig: „Je mehr Kunst es gibt, umso reicher die Gesellschaft.“ Als Frau und Künstlerin leben zu können, „dafür bin ich tief, tief dankbar“.

Wie sie als Muslima religiöse Motive aus der Bibel für eine katholische Kirche realisieren konnte, will eine Gesprächsteilnehmerin wissen. Maqsoodi lächelt, klärt auf, dass der Islam neben dem Juden- und dem Christentum zu den monotheistischen Religionen gehört. Alle verbinde eine Buchreligion, die durch den Bezug auf gemeinsame Schriften miteinander verbunden sind, ohne jedoch identisch zu sein.

Dass sie den Auftrag für die Kirchenfenster in Tholey erhalten habe, sei für sie ein großes Glück gewesen. „Im Allgemeinen verschwinden Bilder nach dem Verkauf, sind bestenfalls in Ausstellungen zu sehen. Kirchenfenster aber sind eine Dauerausstellung, die nie abgebaut wird, und immer wieder für alle interessierten Menschen zugänglich sind“, stellt Mahbuba Maqsoodi dar.