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Musical:Mauern aus Stein und in Köpfen

Mit großem Beifall haben über 300 Besucher des Musicals „Grenzen_los“ in der Pallottikirche in Vallendar die Leistung aller Beteiligten belohnt.
Szene aus dem Musical „Grenzen_los“ bei der Aufführung in der Pallottikirche in Vallendar
Datum:
24. Mai 2023
Von:
Winfried Scholz / Paulinus – Wochenzeitung im Bistum Trier

Vallendar - Die Autoren Lukas Stollhof und Rainer Matthias Müller haben Musik und Text des Musicals geschrieben. Aufgeführt haben es die meist jugendlichen Darsteller und Sänger aus den Reihen des Chors „Carduelis“ und dem Jugendchor, beide aus Oberwesel, wo Stollhof als Regionalkantor tätig ist.

„Grenzen_los“ thematisiert die deutsch-deutsche Geschichte im Zusammenhang mit der Berliner Mauer, aber auch Mauern unserer Tage aus Stein und in den Köpfen der Menschen. Es war eine der Lügen der Weltgeschichte: Bei einer internationalen Pressekonferenz am 15. Juni 1961 in Ostberlin erklärte der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht vor über 350 Journalisten auf die Frage einer Redakteurin: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Nur zwei Monate später wurden in Berlin eine Mauer und an der innerdeutschen Grenze ein Zaun errichtet, beide flankiert durch Sperr- und Selbstschussanlagen und nahezu unüberwindbar.

Sie werden Schmerz und Freude erleben.

Lukas Stollhof

Am 9. November 1989 öffneten sich, eher unvorhergesehen, Mauer und Grenze, ausgelöst durch einen Versprecher des SED-Politikers Günther Schabowski, wieder auf einer internationalen Pressekonferenz. Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland offiziell wiedervereinigt. Der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung veranlasste Lukas Stollhof, das Musical „Grenzen_ los“ zu verfassen, das in neun fiktiven Szenen die Geschichte darstellt und Schrecken und Glücksmomente der durch die Grenzen ausgelösten Folgen thematisiert.

Lukas Stollhof, auch musikalischer Leiter der Aufführung, erklärt zu Beginn: „Sie werden Schmerz und Freude erleben.“ Beispielhaft bei der alleinerziehenden Mutter Natascha Knappe, der auf einem Spielplatz, als sie kurz mit anderen Müttern spricht, ihr dreijähriger Sohn Steffen entführt wird. Verzweifelt ruft sie: „Wo ist mein Kind?“ 30 Jahre später erfährt Holger aus Unterlagen, dass er Steffen heißt und vom DDR-Regime an linientreue Eltern verkauft wurde.

Was haben wir aus der Geschichte gelernt?

In einer ergreifenden Szene tritt er mit dem jungen Steffen auf und kann seine Mutter in die Arme schließen. Und es gibt andere Mauern: die von Ex-US-Präsident Trump angeordnete zwischen den USA und Mexiko sowie die zwischen Israel und dem Westjordanland, die dreimal höher ist als die Berliner Mauer. Im Musical heißt es: „Was haben wir aus der Geschichte gelernt? – Nichts.“ In der Kirche ist eine Mauer aus zahlreichen Kartons errichtet mit Themen, bei denen wir uns in den Köpfen konfrontativ gegenüber stehen.

Lukas Stollhof hat seine Komposition den jeweiligen Situationen angepasst. So hat er in die Jubelmusik der vor Freude auf der Mauer tanzenden Menschen einige Takte aus der neunten Beethoven-Sinfonie verarbeitet. Als der Chor fast stakkatoartig singt „Reißt alle Mauern ein auf dieser Erde“ gerät selbst der Dirigent nahezu in Ekstase. Brandaktuell ist schließlich die Forderung im Epilog: „Es ist an der Zeit, dass Diktatoren entmachtet werden. Stellt sie vor ein Gericht und klagt sie an.“