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Bernhard Graffe ist der älteste aktive Messdiener im Bistum Trier:Mit 76 noch ein „Mini“

Sonntagsmesse, Beerdigung oder Taufe: Bernhard Graffe ist oft in der Sakristei der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Münster-Sarmsheim anzutreffen. Denn er ist Messdiener - mit 76 Jahren!
Mit 76 Jahren dient Bernhard Graffe noch in der Kirche St. Peter und Paul in Münster Sarmsheim. Damit ist er der älteste Messdiener im Bistum
Datum:
18. Mai 2016
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Münster-Sarmsheim - Ob bei der Sonntagsmesse, Beerdigungen oder Taufen: Bernhard Graffe ist oft in der Sakristei der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Münster-Sarmsheim anzutreffen. Routiniert streift er sich ein weißes Gewand über, schnappt sich Leuchter oder Weihrauchschiffchen. Für einen Messdiener ist das nichts Ungewöhnliches. Ein Detail unterscheidet ihn allerdings von den anderen Ministranten: Graffe ist 76 Jahre alt und damit der älteste aktive Messdiener im Bistum Trier.

Wie viele andere Kinder ist auch Graffe nach seiner ersten Heiligen Kommunion im Jahr 1949 Messdiener geworden. „Meine Eltern haben gesagt, wenn du vorne am Altar stehst, geht die lange Predigt schneller vorbei“, erzählt der rüstige Rentner und lacht. „Damit haben sie mich geködert und dann hat es mir von Tag zu Tag mehr Spaß gemacht.“ Besonders gerne erinnert er sich an die Rochus-Prozession, die jedes Jahr von der Basilika St. Martin in Bingen zur Kapelle auf dem Rochusberg stattfindet. Als „Rochusjer“, ein kleiner Messdiener in Pilgertracht, durfte er die Statue des heiligen Rochus begleiten.

Mit 16 Jahren war dann erst einmal Schluss mit dem Ministrantendienst, als er eine Lehre zum Bankkaufmann begann. Dass er einmal zum Dienst am Altar zurückkehren würde, hätte Graffe damals nicht gedacht. Der Kirche und seiner Heimatstadt ist er treu geblieben. 40 Jahre lang war er Pfarrgemeinderatsvorsitzender, außerdem ist er Vorsitzender der Kolpingsfamilie Münster-Sarmsheim. Als die Küsterin der Pfarrkirche St. Peter und Paul kurz nach der Jahrtausendwende krankheitsbedingt ausfiel, musste Graffe nicht lange überlegen. Seine Frau habe zwar gehofft, ihn nach seiner Pensionierung „öfter zu Gesicht zu bekommen“, doch da niemand anderes den Job des Küsters übernehmen wollte, habe er „gar keine andere Wahl“ gehabt. „In die Kirche gehe ich ohnehin, dann macht es auch nichts aus, wenn ich eine halbe Stunde früher komme“, erklärt der 76-Jährige. Und als es dann einmal einen Engpass bei den Messdienern gab, übernahm er diese Aufgabe auch. Gewänder gäbe es genug und er kenne ja auch den Dienst und die Abläufe, überzeugte ihn der Pfarrer. 

Diese Engpässe kämen heute immer häufiger vor. Aktuell gibt es in der Pfarrei St. Peter und Paul 16 Messdiener, aber es würden immer weniger, weil etwa „Fußball und Kickboxen jetzt wichtiger geworden sind“, vermutet Graffe. Viele Kinder seien heute mit dem Kirchenraum nicht mehr vertraut und es sei schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr, sich nach der Erstkommunion als Messdiener zu engagieren. Und auch der Unterricht an Ganztagsschulen komme dem Ministrantendienst, zum Beispiel bei mittags stattfindenden Beerdigungen, in die Quere. „Ich konnte es nicht mit ansehen, wenn bei Beerdigungen kein Messdiener mitging“, sagt Graffe. „Kreuz und Weihwasser müssen doch dabei sein!“

Deswegen schlüpft der Pensionär jetzt immer öfter in sein Messdienergewand. „Ich bin immer da, wo es brennt“, erklärt er lachend. Er sammle auch die Kollekte ein und wenn kein Lektor da ist, übernimmt er auch diesen Dienst. Er sei gewissermaßen das „Mädchen für alles“, auch wenn es, wie er sich selbst nur ungern eingesteht, „körperlich langsam schwierig wird“. Sein Motto ist dabei stets ein Vers aus dem Markus-Evangelium: „Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ Und aus dieser Überzeugung heraus stellt Graffe sich auch mit 76 Jahren noch gerne im weißen Gewand an den Altar und reicht dem Pfarrer Wasser und Wein.

Im Bistum Trier gibt es 20.222 Ministrantinnen und Ministranten. Ob jung, ob alt, ob männlich oder weiblich, ob katholisch oder nicht, ob mit Behinderung oder ohne: Sie dienen Woche für Woche in den Gottesdiensten und engagieren sich in vielen weiteren Bereichen. Einige der „Minis“ werden in den nächsten Wochen in einer Serie in Text, Bild und Ton vorgestellt.