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Mit Freude und Trauer zu Maria

Einer Tradition folgend, haben in der Pilgerfest-woche des Klosters Maria Martental (Eifel) mehr als 100 Menschen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe einen Tag mit Gesang, Gebet und in Gemeinschaft erlebt.
Lebhaft ist der Abschlussgottesdienst am Wallfahrtstag der Menschen aus Behinderteneinrichtungen.
Datum:
15. Okt. 2023
Von:
Brigitte Bettscheider

Maria Martental. Als Pater Michael Ruedin von Kloster Ebernach (Cochem) am Ende des Gottesdienstes die Andenken segnet, die die Teilnehmer im Laufe des Tages gekauft haben, hält Elisabeth zwei Rosenkränze hoch. „Ihr habt ja fast den Laden leer gekauft“, sagt der Pater mit Augenzwinkern.  

Die 63-Jährige, die im Rollstuhl sitzt, ist an diesem Tag mit einer Gruppe des Heinrich-Hauses in Neuwied-Engers nach Maria Martental gekommen. Hier kenne sie sich aus, sei schon mit ihren Eltern hier gewesen und habe mehrmals an dem Wallfahrtstag für Behinderte teilgenommen, erzählt Elisabeth dem „Paulinus“. „Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut. Da kann man mal alle seine Krankheiten vergessen“, erklärt sie. Die beiden Rosenkränze habe sie für sich selbst und für einen Freund gekauft. In dem mit frohen Liedern und Texten in einfacher Sprache begeistert gefeierten Gottesdienst, der unter dem Thema „ … und kommen hier zusammen …“ steht, liest sie den Satz vor: „Lieber Gott, ich danke dir für diesen schönen Ort.“  

Elisabeth aus Engers ist eine in der mehr als 100 Menschen zählenden Pilgerschar. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Einrichtungen begleiten und betreuen die Menschen mit Behinderungen. Mariette Becker-Schuh vom Team Diakonische Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Trier hat die Veranstaltung organisiert. „Wir möchten den Bewohnern der Behinderteneinrichtungen Gelegenheit geben, Bekannte zu treffen und neue Gesichter kennenzulernen“, sagt sie. Außerdem sollten die Menschen „mit allem, was froh oder traurig macht, vor das Bild der Mutter Gottes und vor Gott treten können“. 

An den Möglichkeiten jedes Einzelnen orientiert 

Was in dem Gottesdienst zum Abschluss des Pilgertages als farbenfrohes Fadengebilde im Chorraum der Klosterkirche steht, hatte am Vormittag als kreatives Element die Veranstaltung eröffnet. Mit offenem Singen und der Prozession zur Schmerzhaften Muttergottes haben die Teilnehmenden die Zeit bis zum Mittagessen gestaltet. Dann finden Workshops statt. „Nein, nicht entsprechend der unterschiedlichen Einschränkungen“, betont Becker-Schuh, „sondern entsprechend der Möglichkeiten jedes Einzelnen.“ 

„Was man hier alles machen kann!“, schwärmt Teilnehmer Christian vom Bildungs- und Pflegeheim St. Martin in Düngenheim. Konzentriert malt der 54-Jährige mit Trisomie 21 eine Grußkarte aus. „Für eine liebe Bekannte“, verrät er.  

An dem langen Tisch, an dem man Holzscheiben schleifen, bemalen und beschriften kann, ist Dennis Bloem der Ansprechpartner. Der 32-Jährige, der selbst im Rollstuhl sitzt, engagiert sich als Ehrenamtlicher in der Seelsorge im Heinrich-Haus und leitet den Workshop „Namensschilder“.  Tanzen, Handmassage, Bodenlabyrinth, Mandalas und Schwungtuch stehen als weitere Angebote zur Wahl. Gemeindereferentin Patricia Alt vom Kloster Ebernach ermuntert zum Mitmachen.  

Als Einzelteilnehmerin aus den Westeifel Werken Gerolstein ist Barbara Hermann (33) aus Retterath mit von der Partie. Ihre Mutter Hiltrud begleitet sie.  

Glaube und Gottesdienste geben der Familie Halt 

„Wir nehmen seit Jahren privat an der Wallfahrt teil“, erklärt Hiltrud Hermann. Ihre Tochter freue sich immer sehr darauf. Glaube und Gottesdienste gäben der Familie Halt, sagt sie. Da ist es auch keine Frage, wen man im Gottesdienst unter den acht Messdienern entdeckt: Barbara Hermann.  

An Pater Michael Ruedins Seite stehen der Herz-Jesu-Priester Andreas Pohl, ehemals Rektor des Klosters Maria Martental, und Pater Peter Adamski vom Herz-Jesu-Haus Kühr (Niederfell) am Altar. Und die Teilnehmenden feiern begeistert mit, dankbar für den besonderen Tag mit Gesang, Aktivitäten und in Gemeinschaft.