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7. Tag des Religionsunterrichts setzte sich mit dem Lernen in Krisenzeiten auseinander:Mit religiöser Bildung Krisen meistern und ihre Ursachen bekämpfen

Der 7. Tag des Religionsunterrichts in Saarbrücken setzte sich mit dem Lernen in Krisenzeiten auseinander.
Blick in den Hörsaal (Foto: Thomas Mann)
Datum:
5. Feb. 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Saarbrücken – Hilft religiöse Bildung aus der Krise? Kann Religion eine Quelle für Resilienz sein? Wie sollte ein moderner Religionsunterricht aussehen, der auf die Krisen unserer Zeit reagiert? Mit Fragen wie diesen haben sich am Mittwoch, 2. Februar, rund 65 evangelische und katholische Religionslehrerinnen und -lehrer aus dem Saarland beim 7. Tag des Religionsunterrichts an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken auseinandergesetzt. Thema der Fachtagung, an der auch Studierende sowie Lehrende der theologischen Studienseminare und Vertreter aus der Politik teilnahmen, war „Lernen in und durch Krisen“. „Wir leben in Zeiten von multiplen Krisen, neben der allgegenwärtigen Coronakrise sind es vor allem die Klimakrise und die Wirtschaftskrise“, sagte Thomas Mann, Leiter des Instituts für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF) in Saarbrücken, das die Tagung federführend organisiert hat.

Über den Umgang mit Krisen sprach auch Hauptrednerin Professorin Dr. Claudia Gärtner von der TU Dortmund in ihrem Vortrag „Religiöse Bildung in einer verwundeten Welt“. Dabei kritisierte sie die heutzutage vielfach beschworene Fähigkeit zur Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit in Krisen und der Kompetenz, diese zu meistern, aus christlicher Sicht. Resilienz sei notwendig, aber auch ambivalent. Allein den Fokus darauf zu legen, Resilienz zu erlernen, löse nicht die Ursache einer Krise. Wenn etwa ein Flüchtling lerne, sich in seiner persönlichen Krise von Flucht und Migration zu behaupten, löse das nicht die Fluchtursachen. Die Botschaft des Christentums sei jedoch die Hoffnung auf eine bessere Welt. „Wir haben es in der Hand, eine bessere Welt zu schaffen und vertrauen darauf, dass Gott uns darin stärkt, da er den Menschen zugesagt hat, dass alles, was er geschaffen hat, gut ist“, sagte Gärtner. Doch dieses Vertrauen werde auf die Probe gestellt: Angesichts der Klimakrise stelle sich die Frage, wo Gott hier für seine Schöpfung sorge.

Dem Begriff der Resilienz stellte Gärtner den des Empowernment gegenüber. Er vereine die Vorteile der Resilienz, nämlich die Widerstandsfähigkeit in Krisen, mit dem Einsatz für echten Wandel im Interesse Benachteiligter. Religion könne zu einem solchen Empowerment beitragen. Das Christentum sei nicht ausschließlich auf individuelles Wohlergehen ausgerichtet, sondern auf das Wohl der Gemeinschaft aller Gläubigen. Diese wisse sich verbunden mit den Menschen weltweit. Daraus erwachse eine Verantwortung für die gegenwärtige und zukünftige Weltgemeinschaft. Christliche Gruppierungen könnten sich so gemeinsam mit anderen etwa für ökologische Projekte einsetzen.

Professorin Dr. Claudia Gärtner von der TU Dortmund spricht zum Thema „Religiöse Bildung in einer verwundeten Welt“ (Foto: Thomas Mann)

Gärtner plädierte für einen Religionsunterricht, in denen die Lehrenden Haltung zeigten aus der Überzeugung heraus, dass eine bessere Welt möglich ist, ohne die Schülerinnen und Schüler damit zu überwältigen. Vielmehr sei es ihre Aufgabe, zu verdeutlichen, wie komplex die Probleme heutzutage seien und dass es keine einfachen Antworten gebe. Auf diese Weise stärkten sie gleichzeitig die demokratische Bildung der Schülerinnen und Schüler.

Im Anschluss an den Hauptvortrag beschäftigen sich Studierende und Lehrende aller Schulformen in Workshops unter anderem mit der Pandemie und ihren Folgen, aber auch mit Themen wie dem Umgang mit Trauererfahrungen in der Schule sowie Themen für den Religionsunterricht nach Corona.

Der saarländische Bildungsstaatssekretär Jan Benedyczuk würdigte den Religionsunterricht in der Schule als starkes Element dafür, Kinder stark zu machen, um Krisen zu meistern. Er dankte den beiden Kirchen für den guten Dialog auch während der Corona-Pandemie, unter der der schulische Religionsunterricht zu leiden gehabt habe. So habe etwa zeitweise kein konfessionell getrennter Religionsunterricht stattfinden können, um die Klassen nicht zu durchmischen.

Veranstalter des alle zwei Jahre stattfindenden Tags des Religionsunterrichts sind die Bistümer Trier und Speyer, der Deutsche Katecheten-Verein, das Evangelische Schulreferat, die Evangelischen und Katholischen Theologie-Fakultäten der Saar-Uni, das Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF), das Religionspädagogische Zentrum St. Ingbert, die Vereinigungen katholischer Religionslehrer*innen an berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie an Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen in den Bistümern Trier und Speyer sowie das Zentrum für Lehrerbildung der Universität des Saarlandes.

(uk)