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Missio canonica erneuert:„Sie sind glaubwürdige Lehrkräfte, die wir brauchen!” 

Fünf Lehrer*innen im Bistum Trier wollen und dürfen wieder katholischen Religionsunterricht erteilen  
V.l.n.r.: Dr. Kerstin Schmitz-Stuhlträger, Patrick Wilhelmy, Markus Kochems-Wrona, Timo Kochems, Weihbischof Franz Josef Gebert, Dieter Fenten, Frank Fenten und Elisabeth Winandy
Datum:
29. Juni 2023
Von:
Inge Hülpes

Trier/Losheim/Stromberg – „Die Menschen, die heute hier sitzen, haben viel Mut bewiesen. Sie stehen zu dem, was sie sind und wer sie sind. Ich danke Ihnen, dass Sie nach all diesen Jahren wieder bereit sind, den Weg als Religionslehrerin, als Religionslehrer mit unserer Kirche zu gehen.” Das hat Patrick Wilhelmy, Arbeitsbereichsleiter Religionsunterricht und Schulpastoral im Bischöflichen Generalvikariat Trier, gesagt – anlässlich der Erneuerung der kirchlichen Lehrerlaubnis für das Fach Katholische Religion an fünf Lehrer*innen im Bistum Trier am 14. Juni. Vier Lehrkräfte waren der Einladung der Schulabteilung ins Bischöfliche Generalvikariat persönlich gefolgt, eine Lehrkraft hatte krankheitsbedingt abgesagt. Aufgrund ihrer Lebensführung, etwa weil sie in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben, waren sie in der Vergangenheit aufgefordert worden, ihre Missio canonica, also die bischöfliche Lehrbeauftragung, zurückzugeben.   

Weihbischof Gebert und Timo Kochems

Nach etlichen Jahren dürfen sie nun wieder katholischen Religionsunterricht an ihren Schulen erteilen – und möchten das auch tun. Hintergrund ist die Änderung der Grundordnung für den kirchlichen Dienst, die der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann im Januar dieses Jahres in Kraft gesetzt hat. Seitdem ist die private Lebensführung der Bewertung durch den Arbeitgeber entzogen. Diese Änderung wirkt sich auch auf die Missio canonica aus. 

Auch Weihbischof Franz Josef Gebert, der den Lehrer*innen ihre Beauftragungsurkunden überreichte, gab seiner Freude über die neuen Gegebenheiten Ausdruck: „Wir haben uns mit einer ganz großen Mehrheit der Bischöfe in Deutschland entschieden, diesen Weg zu gehen.” Er sei der Überzeugung, dass man Realitäten im menschlichen Zusammenleben nicht ignorieren dürfe. „Es ist bedeutsam, dass man hier eine neue Sicht erlangt hat, aus der man auch Konsequenzen zieht.” Der Religionsunterricht sei eine wesentliche Vermittlung der Geschichte des Christentums, aber auch seiner Werte. Gerade im Religionsunterricht „ist es entscheidend, dass man mit seiner ganzen Person dahintersteht und glaubhaft Zeugnis ablegt. Von daher freue ich mich – auch für unser gesamtes Bistum und im Namen des Bischofs – dass wir Sie zurückgewinnen konnten, mit Ihnen als Person und mit dem, was Ihnen wichtig und wert ist”, so Gebert. 

„Der einzelne Mensch, die Seele, zählt” 

Austausch nach Überreichung der Urkunden

Einer der Religionslehrer ist Timo Kochems aus Losheim. An diesem Tag kommt er in Begleitung seines Ehemannes Markus Kochems-Wrona. Kochems ist stellvertretender Schulleiter in der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule in Dillingen und unterrichtete Chemie, Biologie und Katholische Religion – bis er seinen jetzigen Ehemann Markus kennen und lieben lernte. „Als wir uns das Ja-Wort gaben, war es für mich eine ganz logische Konsequenz, dass ich die Missio zurückgebe. Denn die Bedingungen, denen ich zugestimmt hatte, erfüllte ich nicht mehr.” Dass er nun wieder Religion unterrichten darf, empfindet der Saarländer als „ganz großes Geschenk”.  

Weihbischof Gebert und Dieter Fenten

Auch Dieter Fenten, Stufenleiter der siebten und achten Klassen an der Integrierten Gesamtschule Stromberg, ist mit seinem Ehemann gekommen. Beide sind katholisch und engagieren sich seit vielen Jahren in ihrer Gemeinde. Dass er damals seine Lehrbeauftragung für den Religionsunterricht verloren hatte, wirkte lange und schmerzlich bei ihm nach: „Rückblickend denke ich, dass ich wohl noch nie so behandelt wurde”, überlegt Fenten. Dass er dennoch an diesem Tag seine Missio aufs Neue annimmt und nun wieder Katholische Religion unterrichten darf, freue nicht zuletzt auch seine Schüler*innen. Sein Ehemann Frank gibt zu bedenken, dass durch die Aufforderung zur Rückgabe der Missio canonica nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Partner*innen sehr zu leiden hatten. Für ihn ist klar, dass man eines niemals vergessen dürfe: „Der einzelne Mensch, die Seele, zählt.” Dieter Fenten wird ab sofort übrigens nicht nur Religion unterrichten, sondern auch wieder als Fortbildungsbeauftragter für den katholischen Religionsunterricht an Schulen im Bistum Trier tätig sein. 

Trotz der Verletzungen, die sie durch die Kirche erfahren haben, seien sie wieder bereit, den Glauben an ihren Schulen zu bezeugen, zu reflektieren, zu diskutieren und authentisch weiterzugeben. Abschließend sagte Wilhelmy: „Wir sind ebenso froh wie Sie. Sie sind glaubwürdige Lehrkräfte, die wir brauchen!” 

Neben Patrick Wilhelmy waren vonseiten der Schulabteilung Dr. Kerstin Schmitz-Stuhlträger, Leiterin des Arbeitsbereichs Kirchliche Schulen, Elisabeth Winandy, Referentin für Religionsunterricht und Schulpastoral an Realschulen plus im rheinland-pfälzischen Teil des Bistums, und Diana Klar, Referentin für Grund- und Förderschulen im rheinland-pfälzischen Teil des Bistums, an der Veranstaltung beteiligt.  

Änderung der Grundordnung für den kirchlichen Dienst 

Angestoßen durch den Synodalen Weg und die Initiative #outinchurch hat die Mehrzahl der deutschen Bischöfe im vergangenen Jahr beschlossen, die Grundordnung für den kirchlichen Dienst zu reformieren. Die Lebensführung der Mitarbeitenden, der Kernbereich der privaten Lebensführung mit dem Beziehungsleben, ist seitdem der rechtlichen Bewertung entzogen, darf also nicht mehr als Kündigungsgrund gelten bzw. nicht mehr zum Entzug einer kirchlichen Lehrerlaubnis führen. Die Änderung, die im Bistum Trier im Januar 2023 in Kraft gesetzt wurde, bezeichnete der Trierer Bischof Stephan Ackermann als „Meilenstein für unsere Dienstgemeinschaften.”