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Die Bistümer Trier und Speyer haben sich mit Saarlands Regierung getroffen:Spitzengespräch zwischen Kirche und Landesregierung

Die Saarländische Landesregierung und die Spitzen der Bistümer Speyer und Trier haben sich zu ihrem traditionellen Meinungsaustausch getroffen.
Bischof Stephan Ackermann (l.) und Bischof Karl-Heinz Wiesemann (2.v.r.) stellten sich zusammen mit Ministerpräsident Tobias Hans (2.v.l.) im Anschluss an das Gespräch den Fragen von Reportern.
Datum:
29. Okt. 2019
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Saarbrücken ­- Die Saarländische Landesregierung und die Spitzen der Bistümer Speyer und Trier haben sich am Dienstag in der Staatskanzlei zu ihrem traditionellen Meinungsaustausch getroffen. Das Spitzengespräch der Landesregierung mit den Bischöfen Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Dr. Stephan Ackermann zeigte viele Übereinstimmungen in politischen und gesellschaftlichen Fragen. Im Mittelpunkt des Austauschs standen neben sozialen Fragen auch der Klimaschutz und der wachsende Antisemitismus in Deutschland.

Klimaschutz

„Die Schöpfung zu bewahren, ist uns Christen und uns als Kirche nicht einfach als Gebet aufgetragen“, sagte Gundo Lames, Direktor für den Strategiebereich Ziele und Entwicklung im Bistum Trier. „Der Auftrag der Schöpfungsbewahrung in Verbindung mit den Fragen zur sozialen Gerechtigkeit und dem Frieden in Nah und Fern lässt uns nicht los. Die wissenschaftlich erhobenen Klima- und Umweltdaten sind nicht populistisch zu verdrängen oder zu leugnen.“ Die Kirche müsse ihre Prioritäten so setzen, dass ein entsprechendes Handeln zur Bewahrung der Schöpfung nach innen und außen wirksam und sichtbar werde. Dazu gehören u.a. eine umweltschonende Mobilität, CO2-Kompensation bis hin zur -Vermeidung als Rahmensetzung in den Bistümern; und zusammen mit Politik und Wirtschaft nachhaltige Maßnahmen zum Klimaschutz, zur Klimagerechtigkeit durchzusetzen, um damit auch für die Würde des Menschen in der globalen Gesellschaft einzutreten.        
Generalvikar Andreas Sturm (Speyer) fügte hinzu: „Wir brauchen ein grundlegendes Umsteuern in Politik, Wirtschaft und Kirche. Uns muss wieder stärker bewusst werden: Die Erde ist uns anvertraut, aber nicht zur rücksichtslosen Ausbeutung, sondern zu einem sorgsamen Umgang. Es ist an der Zeit, einen klaren Kurswechsel zu vollziehen, hin zu einem Lebensstil, der ein gutes Leben für alle Menschen auf diesem Planeten ermöglicht.“

Der saarländische Regierungschef, Ministerpräsident Tobias Hans betonte: „Eine erfolgreiche Energiewende setzt voraus, die Aspekte Klimaschutz, Erhalt und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, sowie Sicherung einer bezahlbaren Energieversorgung miteinander in Einklang zu bringen. Dabei müssen Bund und Länder gemeinsam innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen, um klimaneutrale Zukunftstechnologien weiter zu fördern. Auch das Saarland setzt verstärkt auf Zukunftstechnologien insbesondere im Stahl- und Automobilbereich.“

Antisemitismus

Mit Blick auf die Problematik eines wachsenden Antisemitismus in Deutschland betonte Ministerpräsident Hans: „Antisemitismus betrifft uns alle, denn er richtet sich nicht alleine nur gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern gegen unsere gesamte freiheitlich demokratische Gesellschaft. Deshalb hat das Saarland ein Zeichen gesetzt und die Stelle eines Antisemitismusbeauftragten geschaffen. Damit setzen wir im Saarland ein klares Zeichen gegen Hass und Diskriminierung.“ In der vom Antisemitismusbeauftragten eingesetzten Expertenkommission werden auch die beiden Bistümer in Person der Leiterin des Katholischen Büros, Ordinariatsdirektorin Katja Göbel, vertreten sein.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) sagte, dass sich auch die Katholische Kirche jeglichen antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenstellen werden: „Wir wollen auch öffentlich Zeichen setzen, um deutlich zu zeigen, dass wir uns mit der jüdischen Gemeinde in Deutschland, mit Menschen jüdischen Glaubens solidarisieren.“

Stärkung von Dorfgemeinschaften

Die Gesprächspartner waren sich einig, dass gerade im ländlichen Raum die Rahmenbedingungen für den Erhalt der Daseinsgrundversorgung verbessert werden müssen, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Die Idee, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Landes, der Kommunen und der Katholischen und Evangelischen Kirche unter Federführung des Ministeriums für Inneres, Bauen und Sport einzurichten, die Vorschläge entwickeln soll, um die Dorfgemeinschaften zu stärken, wurde deshalb von allen Beteiligten begrüßt und soll zeitnah umgesetzt werden. 

Synodenumsetzung

Zum Stand der Synodenumsetzung im Bistum Trier erklärte Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg (Trier): „Wir befinden uns auf der Schlussgeraden für die Vorbereitung der ersten 15 neuen Pfarreien.“ Am 15. Oktober ist das Errichtungsgesetz für die neuen Pfarreien in Kraft gesetzt worden. Im Saarland werden zum 1. Januar die Pfarreien der Zukunft Wadern, Tholey, St. Wendel, Völklingen und Saarbrücken starten. Die Leitungsteams der neuen Räume werden derzeit für ihre neuen Aufgaben qualifiziert. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ab dem 1. Januar mit Schwung und Gottvertrauen das Neue angehen können. Die Pfarreien der Zukunft werden Gegenwart“, sagte von Plettenberg und betonte gleichzeitig, dass auch im neuen Jahr die seelsorgerischen Bedürfnisse der Menschen erfüllt werden sollen. Dazu trifft das pastorale Personal Absprachen, um auch weiterhin vor Ort bei den Menschen zu sein. Die Feier der Eucharistie, Taufen, Firmungen, Hochzeiten, aber auch Krankenkommunion und Beerdigungen werden weiterhin von den Priestern, Diakonen und hauptamtlichen Laien in den Dörfern und Stadtteilen gewährleistet.

„Das Ergebnis der Synodenumsetzung den Zugang zu Gottesdiensten weiterhin zu gewährleisten, begrüße ich sehr“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans. „Insbesondere Gottesdienste stiften Gemeinschaft und tragen – gerade auch im ländlichen Raum – zum Zusammenhalt bei.“   

Dominik Holl