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Misereor-Abend in Zell vermittelt Eindruck von Burkina Faso:„Staub an den Schuhen“

Einblick in die Innovationskraft von Bäuerinnen und Bauern im afrikanischen Burkina Faso bot der Misereor-Abend in Zell. Lekoun Djeni berichtete aus seinem Heimatland.
Lekoun Djeni berichtete aus seinem Heimatland Burkina Faso. Dieses ist das Beispielland der Misereor-Fastenaktion. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Tischläufer gestaltet, den die Organisatoren gemeinsam in die Kamera halten.
Datum:
3. März 2017
Von:
Bischöfliche Pressestelle
Zell – Aus erster Hand haben die Besucher des Misereor-Abends im Pfarrheim St. Peter in Zell erfahren, was Landwirtschaft im afrikanischen Burkina Faso bedeutet. Welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen und wie sehen Lösungen für Probleme aus? Lekoun Djeni, Kind einer Bauernfamilie, berichtete aus seiner Heimat. Burkina Faso ist in diesem Jahr das Beispielland der Misereor-Fastenaktion. Seit zehn Jahren arbeitet Djeni für den Misereor-Partner Diobass. Die Nicht-Regierungsorganisation unterstützt Bauern, eigene Mittel gegen Wüstenbildung, geringe Ernteerträge, Verschmutzung durch Pestizide, Schädlingsbefall und Tierkrankheiten zu finden. Diobass schaue sich vor Ort die Probleme der Bauern an. „Wir sagen immer: Staub an den Schuhen ist besser als Staub am Hintern vom vielen Sitzen im Büro“, lachte Djeni. „Oft handelt es sich um Hausmittel, von denen wir durch alte Menschen erfahren“, erklärt Djeni. Diobass sei es wichtig, mit allen Akteuren in einem gleichberechtigen Austausch zu stehen – Männer, Frauen und Kinder. Zudem wird die Zusammenarbeit unter den Bauern unterstützt. Diobass fördert kleine Forschungsgruppen, die aus Bauern bestehen. „Die Bauern sind nicht nur innovativ: Durch das Arbeiten innerhalb der Gruppen merken wir von Diobass auch, dass die Reflexionsfähigkeit und die Organisationskraft der Bauern gestärkt werden.“ Unter den Bauern entstehe zudem mehr Solidarität, da sie sich gegenseitig ausbilden und beraten. Erfolgreich waren die Bäuerinnen und Bauern in Burkina Faso schon bei der Bekämpfung der Pockenkrankheit bei Rindern. Entwickelt wurde ein rein pflanzliches Medikament. „Es gibt kein anderes Mittel. Wenn das Tier damit nicht behandelt wird, stirbt es.“ Ein krankes Rind könne man nur für umgerechnet 75 Euro verkaufen, ein gesundes dagegen für 300 Euro. Das Medikament kostet noch nicht einmal einen Euro. „Dieses Pulver ist also ein wahrer Segen für die Bauern“, freute sich Djeni. Weitere Innovationen gibt es bei der Lagerung von Zwiebeln: „Nun können die Zwiebeln auch Monate nach der Ernte noch verkauft werden. Das bringt den Bauern höhere Erträge ein.“ In Burkina Faso wurde auch ein spezieller Leckstein für das Vieh entwickelt, der den Appetit anregt. Die Bauern tauschen die neuen Ideen aus und testen sie weiter. Anschließend werden die Mittel wissenschaftlich untersucht. „Hier wird dann geschaut, ob sie nicht giftig und wirklich nützlich sind.“ Zudem gebe es auch aus der Wissenschaft Tipps und Verbesserungsvorschläge. „Den Leckstein konnten wir dadurch noch besser machen.“ Lekoun zeigte den Besucherinnen und Besuchern, dass Afrika mehr ist als ein Krisenkontinent. In seinem Heimatland, welches übersetzt „Land der aufrichtigen Menschen“ heißt, gibt es viele kreative Köpfe. Dies greift das Motto der diesjährigen Misereor-Aktion „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen“ auf. Zum Abschluss des Abends zog Paul Diederichs, stellvertretender Dechant im Dekanat Cochem einen Bezug zur Bistumssynode. „Die Menschen in Burkina Faso haben so viele eigene Ideen, dass sie nicht mehr auf die europäischen Mittel zurückgreifen müssen. Ich sehe hier einen Zusammenhang zu unserer Synode. Auch wir müssen bei uns die Köpfe zusammenstecken und auf unser Charisma vertrauen, um gemeinsam etwas Gutes für die Gemeinschaft zu bewirken.“ Weitere Informationen gibt es auf www.misereor2017.bistum-trier.de, per E-Mail an weltkirche@bgv-trier.de oder unter Tel.: 0651 7105-398. (jf)