Zum Inhalt springen

Der Trostgarten der Abtei St. Matthias spendet Trauernden Hoffnung :Trauern mit allen Sinnen

Am 4. Juni wurde der Trostgarten der Abtei St. Matthias eröffnet und kann seitdem von Trauernden aufgesucht werden. 
„...Du hast den Raum mit Sonne geflutet”, lautet der in den Stein der Stele gemeißelte Spruch.
Datum:
12. Juli 2023
Von:
Emma Jürgens

Trier – Die grünen Blätter der Bäume rauschen friedlich im Wind. Schwach scheint die morgendliche Sonne zwischen ihnen hindurch auf einen farbenfrohen Fleck des Friedhofsgeländes hinter der Abtei St. Matthias. Inmitten von grauen Grabsteinen erstreckt sich eine Grünfläche. Ein kleiner Weg führt darüber, vorbei an Obstbäumen und Beerensträuchern, hin zu einer Steinstele. Sie ist umringt von bunten Blumen, die in Lila- und Orangetönen leuchten. „...Du hast den Raum mit Sonne geflutet”, lautet der in den Stein der Stele gemeißelte Spruch. Er fasst den Grundgedanken hinter dem „Trostgarten” der Abtei St. Matthias zusammen. „Anders als ein Trauergarten, wo der Zustand der Trauer zementiert wird, gibt unser Trostgarten eine positive Perspektive. Die Trauerenden werden getröstet und ihnen wird gezeigt, dass es auch nach dem Trauern bessere Zeiten gibt”, sagt Gemeindereferentin Marie-Luise Burg, eine der Initiatorinnen des Gartens. Am 4. Juni wurde er eröffnet und kann seitdem von Trauernden, aber auch Besucherinnen und Besuchern, die ein wenig Ruhe und Einkehr wünschen, aufgesucht werden. 

Burg ist für die Trauerseelsorge auf dem Friedhof zuständig, die nun auch im Trostgarten stattfindet. Auf die Idee sei sie gekommen, als ihr mitgeteilt wurde, dass sie brachliegendes Gelände auf dem Friedhof nutzen und umgestalten könne. „So etwas wie einen Trostgarten gab es vorher nicht”, sagt sie. „Ich hatte die Vorstellung, hier einen Garten anzulegen und habe Menschen gefragt, die selbst Erfahrung mit dem Trauern haben, ob sie sich mit mir zusammen Gedanken um die Gestaltung des Gartens machen wollen. Danach bin ich mit ihren Ideen zur Landschaftsplanerin gegangen”. So sei der Plan vom Trostgarten als einem Ort des sinnlichen Wahrnehmens entstanden. Er soll Trauernden, die das Bedürfnis nach Ruhe verspüren, die Möglichkeit bieten, ihrem Alltag zu entfliehen: „Sie können hierherkommen und die Natur mit allen Sinnen erleben; das Rauschen der Blätter, der Bäume und Gräser hören, sich die bunten Blumenbeete ansehen und im Sommer die Früchte der Sträucher probieren. Die Trauernden können hier zu sich kommen und Energie tanken”. 

Außerdem soll der Trostgarten Trauernden Gesprächsmöglichkeiten bieten. Aus diesem Grund wurden verschieden geformte Bänke dort platziert: „Wir wollten einen Ort erschaffen, wo sich Trauernde miteinander unterhalten und darüber austauschen können, was sie gerade bewegt”. Burg findet eine halbkreisförmige Bank in der Mitte des Gartens besonders wichtig: „Es gibt negative und positive Seiten des Trauerns und genau das soll diese Bank verdeutlichen. Entweder du schaust in den schattigen Bereich bei den Bäumen oder in Richtung der Kirche hin zum sonnigen Bereich um die bunte Steinstele. Du kannst sie so nutzen, wie du eben gerade selbst empfindest”. Neben der Möglichkeit sich auf den Bänken sitzend miteinander auszutauschen, bietet der Trostgarten Trauernden auch die Möglichkeit, ihre Wünsche auf kleine Schiefertäfelchen zu schreiben: „Der Regen oder das Wasser von Gießkannen wischen die Schrift dann irgendwann weg. Das soll zeigen, dass Wünsche, die vor einigen Wochen noch galten, jetzt vielleicht schon nicht mehr gültig sind. Es entsteht Platz, um etwas Neues darauf zu schreiben”.  

Beim Anlegen des Gartens sei ihr aufgefallen, dass gemeinsames Arbeiten hilfreich bei der Trauerbewältigung sein könne: „Wir bieten jetzt auch die Möglichkeit, Teile des Gartens ehrenamtlich zu bearbeiten. Besucher*innen können sich austauschen, sich auspowern und es kann individuell entschieden werden, welche Arbeit im Garten du ausführen willst und welche dir am meisten bei deinem Prozess des Trauerns hilft”.  

Bisher gab es ein Treffen im Trostgarten, an dem Trauernde verschiedenen Alters teilgenommen haben. Zukünftige Projekte mit dem Kindergarten der Pfarrei und auch im Rahmen der Woche der Stille seien bereits in Planung.  

Wer Interesse an der gemeinsamen ehrenamtlichen Arbeit im Trostgarten hat, oder sich für ein persönliches Seelsorgegespräch anmelden möchte, kann sich an das Pfarramt St. Matthias wenden: www.st-matthias-trier.de, E-Mail: pfarrei@stmatthias.de, Tel.: 0651-32634. 

(ej)  

Weitere Fotos vom Trostgarten

3 Bilder