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Podiumsdiskussion zu Aufbrüchen in Kirche und Ordensgemeinschaften:„Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“

Beim diesjährigen Ordenstag im Rahmen der Heilig-Rock-Tage ging es um Aufbrüche in Kirche und Ordensgemeinschaften.
vlnr. Pater Martin Königstein von den Arnsteiner Patres, Schwester Hildegard Hoiß von den Schwestern vom gemeinsamen Leben in Spabrücken, Schwester Philippa Rath von der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Eibingen Stefan Weinert von der Privaten Rundfunkarbeit im Bischöflichen Generalvikariat, Schwester Manisha Cheruparambil von den Johannesschwestern in Leutesdorf und zugleich Referentin des Bischofsvikars für die Orden, Schwester Edith-Maria Magar von den Waldbreitbacher Franziskanerinnen und Bruder Peter Berg von den Barmherzigen Brüdern von Maria Hilf (Foto: Julia Fröder/Bistum Trier)
Datum:
6. Mai 2022
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – „Mache dich auf!“ lautet in diesem Jahr nicht nur das Leitwort des Trierer Bistumsfests, sondern auch der Titel der Podiumsdiskussion während des Ordenstages. Unter anderem die bekannte Benediktinerin und Buchautorin Schwester Philippa Rath schilderte dazu ihre Eindrücke als Delegierte des Synodalen Wegs, den sie als hoffnungsvolles Zeichen des Aufbruchs versteht.

Schwester Philippa sprach als Mitglied im Synodalforum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ von der  guten Zusammenarbeit zwischen Geistlichen, Laien, Frauen und Männern innerhalb des Reformdialogs. „Da wird sich etwas tun. Es verändert sich vieles in der Kirche. Es weht ein neuer Geist“, so ihre Einschätzung. Dabei ging sie auch auf den Wortbeitrag von Schwester Lea Ackermann aus dem Plenum im Kulturzelt vor dem Trierer Dom ein. „Ich ärgere mich, dass die Kirche Frauen in der heutigen Zeit nicht ernstnimmt“, sagte  Ackermann. Rath betonte explizit, dass sie sich beim Synodalen Weg für die Partizipation und Gleichberechtigung sowie Gewaltenteilung innerhalb der katholischen Kirche einsetze. Diese Prinzipien lebten sie in Ordensgemeinschaften schon lange. Teil des Podiums war auch Schwester Edith Maria Magar von den Waldbreitbacher Franziskanerinnen, die anfügte: „Unsere Gemeinschaft wählt ihre Leitung auf Zeit. Das könnte auch bei der Besetzung von Bischöfen ein Modell sein“. Und die Generaloberin betonte weiter: „Wir setzen uns gezielt für das Diakonat der Frau ein und predigen auch – das lassen wir uns nicht nehmen. Wir haben als Orden eine gewisse Freiheit.“

Neben der „Frauen-Frage“ in der (Amts-)Kirche waren das scheinbar gesunkene Interesse an Glaube und Gottesdiensten in der breiten Bevölkerung Themen der Runde, die in großen Teilen aus Mitgliedern der Ordenskonferenz im Bistum Trier bestand. „Das Problem ist, wir erreichen die Menschen in ihrem Alltag nicht mehr“, so Bruder Peter Berg von den Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf. Daher würden viele erst recht nicht die Feier von Gottesdiensten in Betracht ziehen. „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen in konkreten Lebenssituationen beizustehen, auch wenn sie der Kirche vielleicht fernstehen“, resümierte der Generalobere.

Auf der Suche nach Gott und Gesprächspartnern

Die verschiedenen Podiumsgäste waren sich einig, dass sie als Ordensmitglieder innerhalb der Kirche einen gewissen Vertrauensvorschuss erhielten, da sie nicht gleich mit der „Amtskirche“ identifiziert würden. „Menschen haben trotz allem oder gerade wegen der momentanen Situation Erwartungen an uns. Auch gerade diese, die der Kirche den Rücken zugedreht haben oder mit einem Bein schon ausgetreten sind“, so Raths Eindruck. Hildegard Hoiß von den Schwestern vom gemeinsamen Leben in Spabrücken unterstrich diesen positiven Eindruck: „Viele junge Menschen sind auf der Suche nach Gott und Gesprächspartnern.“ Viele fänden diese in Ordensgemeinschaften. „Menschen spüren, dass wir uns nicht nur für eine gewisse Zeit engagieren, sondern der Glaube und die Nachfolge Jesu bei uns tief verwurzelt sind“, sagte Rath. Den Orden würde eine gewisse Authentizität und Ehrlichkeit zugeschrieben. Sie ermutigte trotz möglicher Müdigkeit und Resignation unter den Ordensschwestern und -brüdern: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“.

Neben Philippa Rath, Edith-Maria Magar, Hildegard Hoiß und Peter Berg waren Pater Martin Königstein von den Arnsteiner Patres und Schwester Manisha Cheruparambil von den Johannesschwestern in Leutesdorf und zugleich Referentin des Bischofsvikars für die Orden Teil des Podiums.

Der Tag der Orden und der zeitgleich stattgefundene Priestertag mündeten in einem Pontifikalamt mit Bischof Dr. Stephan Ackermann im Trierer Dom.

Weitere Informationen zu den zahlreichen Ordensgemeinschaften im Bistum Trier gibt es unter www.bistum-trier.de/ordensgemeinschaften und Bildergalerien und Näheres zum Bistumsfest: www.heilig-rock-tage.de 

(jf)