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Jüdischer Kantor Benjamin Chait gibt Einblick in Gemeindeleben in Saarbrücken:„Wir sind Saarländer“

Im digitalen "Kantor Talk" im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus gewährte der Kantor der Synagogengemeinde Saarbrücken, Benjamin Chait, Einblicke in das Leben seiner Gemeinde.
Kantor Benjamin Chait. Foto: privat
Datum:
17. März 2021
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Saarbrücken – „Die jüdischen Menschen in Saarbrücken sind in erster Linie Saarländer. Wir glauben vielleicht anders, aber sonst sind wir wie alle anderen“, hat Benjamin Chait in einem Video-Gespräch betont, das im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfand. Er ist seit 16 Jahren Kantor und Seelsorger der jüdischen Synagogengemeinde in Saarbrücken und stand rund 30 Interessierten virtuell Rede und Antwort.

Diese Verbundenheit mit dem Saarland zeigt sich gleich in den ersten Fragen, die sich um das Thema Essen drehen. „Koscher“ ist wohl einer der bekanntesten Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Judentum fallen. „Es gibt Dinge, die wir nie essen dürfen, manche dürfen wir nur an bestimmten Tagen essen, aber zum Beispiel nicht kombinieren“, erklärt Chait die Essensvorschriften und verdeutlicht dies an einigen Beispielen: Schweinefleisch ist tabu, Lamm darf nicht zusammen mit Milch zubereitet werden, und Salat muss sehr gut gewaschen werden, denn der (unbeabsichtigte) Verzehr von Insekten ist nicht erlaubt. Hier gibt der Seelsorger zu, dass er selbstverständlich den Salat wasche, aber im Anschluss nicht jedes Blatt inspiziere, ob sich dort eine kleine Fliege versteckt habe. Ihm ist bewusst, dass die Vorschriften auf den ersten Blick komplex erscheinen, „aber es gehört irgendwann zum Alltag. Wir wissen allerdings, dass der Mensch nicht perfekt ist – doch wir tun unser Bestes.“ So räumt er ein, dass die Bedingungen unterschiedlich sind. In Großstädten sei es beispielsweise einfacher, an koschere Nahrungsmittel zu gelangen. In Saarbrücken hat die Gemeinde eine eigene kleine Verkaufsstelle dafür eingerichtet. Wozu überhaupt diese Regeln, wollte eine Teilnehmerin daraufhin wissen. „Dadurch essen wir bewusster“, ist sich Chait sicher.

Nichtsdestoweniger werden auch ernste Themen von den Gästen angesprochen, wie Rassismus und Antisemitismus – „Beides sind riesen Probleme“, sagt Chait. Vor dem Nationalsozialismus gab es fast 30 Synagogen und Bethäuser im Saarland; die Synagogengemeinde Saar ist heute die einzige jüdische Gemeinde in diesem Bundesland. Ihren Mittelpunkt hat die Gemeinde in der Saarbrücker Synagoge (Lortzingstraße 8). Sie ist die erste Synagoge, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wieder gebaut wurde. Heute zählt die Gemeinde rund 800 Mitglieder.

Eine Möglichkeit, aufkeimendem Rassismus etwas entgegen zu setzen, sind solche Gesprächsangebote, sind sich Chait und der katholische Jugendpfarrer Christian Heinz einig. „Es ist gut, sich einander kennenzulernen. Es ist mir ein Herzensanliegen, auf die Nähe zwischen Christen und Juden hinzuweisen“, erklärt Heinz, Moderator und Organisator des Abends. So kennt das Judentum ebenfalls einen Ruhetag wie der Sonntag im Christentum. Allerdings hat der „Schabbat“ am Samstag sehr strenge Regeln. „Man darf zum Beispiel keine Elektronik verwenden; also kein Handy, kein Netflix“, erklärt Chait, der innerhalb der Gemeinde Gottesdienste leitet und Religionslehrer ist. „Doch das ist sehr befreiend!“, räumt er gleich ein.

Weitere Informationen zur jüdischen Gemeinde gibt es telefonisch unter Tel.: 0681-910380 oder im Internet auf www.sgsaar.de. Außerhalb der Corona-Pandemie bietet die Gemeinde regelmäßig Führungen durch die Synagoge an.

Hintergrund:

Die internationalen Wochen gegen Rassismus sind am 5. März gestartet und werden unter der Schirmherrschaft von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo veranstaltet von der Kinder- und Jugendarbeit des Regionalverbands Saarbrücken, dem Jugendkulturtreff „Café Exodus“, der Kirche der Jugend eli.ja, der Partnerschaften für Demokratie des Regionalverbands und der Landeshauptstadt im Rahmen von „Demokratie Leben!“ sowie der AWO Fankontaktstelle „Innwurf“ und der DGB Jugend. Begleitet werden die Wochen von zahlreichen Online-Angeboten. Weitere Informationen gibt es bei Denny Sturm vom Regionalverband Saarbrücken unter Tel.: 0681-5061302.

(jf)