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Bufdi 27plus bringt Expertenwissen bei Klima-Initiative ein:Zeit für eine neue Herausforderung

Dr. Peter Grewer ist mit 66 Jahren der älteste Bundesfreiwillige im Bistum und leistet seinen Dienst bei der Klimainitiative im Bistum Trier.
Dr. Peter Grewer im Büro der Klimainitiative im Bistum Trier
Datum:
13. Sept. 2019
Von:
Bischöfliche Pressestelle

Trier – Im Büro der Klima-Initiative im Bischöflichen Generalvikariat herrscht eine wohlige Atmosphäre. Zwei Schreibtische sind so angeordnet, dass sie zum Austausch einladen – flankiert von mehreren Flipcharts mit bunten Pfeilschemata, auf denen sich die Arbeit der letzten Tage widerspiegelt. Gemeinsam mit Charlotte Kleinwächter, Klimaschutzmanagerin des Bistums Trier, arbeitet Dr. Peter Grewer daran, den Klimaschutz im Bistum zu verbessern und so die Schöpfung zu bewahren, halbtags von montags bis freitags. Denn damit kennt sich der 66-Jährige aus: Er ist promovierter Kernphysiker, Softwareentwickler und Energieberater – allerdings im Ruhestand. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich für die Umwelt zu engagieren und einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst („Bufdi“) zu leisten. Dank dem Programm Bufdi 27plus und den Sozialen Lerndiensten ist Grewer der älteste Bufdi im Bistum Trier. Auf die Idee, sich zu bewerben, kam er, als er den Newsletter der Lokalen Agenda 21 las, wo die Stelle ausgeschrieben war. „Es war einfach an der Zeit für eine neue Herausforderung!“

Von "Jung-Bufdis" und von "Senioren-Bufdis"

Grewers Arbeit ist vielseitig. Er unterstützt Kleinwächter bei ihren Aufgaben, „die alles umfassen, was mit Klimaschutz und Energiesparen im Bistum Trier zu tun hat“. Eine verantwortungsvolle Aufgabe im Hinblick auf fortschreitendes Artensterben, Luftverschmutzung und merkliche Wetterveränderungen wie Starkregen oder Dürreperioden. Ob es denn große Unterschiede gebe zwischen der Arbeit mit den „Frisch-von-der-Schule“-Bufdis und dem Senioren-Bufdi? Beides sei angenehm, so Kleinwächter. „Die Jung-Bufdis sind oft noch auf der Suche, weil sie entweder noch nicht genau wissen, was sie im Leben tun möchten oder sich vergewissern wollen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Das ist bei Dr. Grewer anders. Natürlich bringt er auch viel Fachwissen mit. Beim Energiebericht hat er mich gut unterstützen können, weil das für ihn kein Neuland war.“ Im Energiebericht wird alle zwei Jahre genau aufgeführt, wie viel Kohlendioxid-Ausstoß das Bistum verursacht. Zugleich sind dort auch konkrete Maßnahmen und Handlungsanweisungen aufgeführt, die den Ausstoß reduzieren. Hilfreich beim Schreiben des Berichts war sicherlich auch Grewers journalistische Ausbildung, die er jetzt anwenden kann, um Klima-Interessierte auf den neusten Stand zu bringen. „Ich schreibe Beiträge für den Klimaletter – den Newsletter der Klimainitiative, den jeder kostenfrei abonnieren kann“, berichtet er.

Bistum Trier engagiert im Klimaschutz 

In Sachen Energiesparen tue sich schon einiges in der ältesten Diözese Deutschlands, sagt Grewer. Zum Beispiel werden in Gebäuden, die dem Bistum gehören, Energiechecks durchgeführt. „Und das mit dem Ziel, Schwachstellen aufzuzeigen.“ Von konkreten Maßnahmen, die helfen, diese zu beseitigen, berichtet seine Bürogenossin: „Im vergangenen Jahr wurde das Museum am Dom gründlich durchleuchtet und ein Sanierungskonzept erarbeitet.“ Das Ergebnis ist unter anderem der geplante Umstieg auf eine Pellet-Heizung – „eine echte Klimaschutzentscheidung!“, so Kleinwächter. Außerdem geplant sind Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Bistumsschulen. Auch vermeintlich kleine Umstellungen können einen positiven Beitrag für die Klimabilanz des Bistums leisten: Seit vergangenem Jahr liegt auf den Schreibtischen der Bistumsverwaltung ausschließlich Recycling-Papier. „Das ist ein kleiner Beitrag, spart aber in der Summe 1,3 Tonnen CO2 pro Jahr“, so die Bistums-Klimamanagerin. Auch „in der Fläche“, also in den Kirchengemeinden und katholischen Einrichtungen, gebe es „Kümmerer vor Ort“, nämlich rund 100 ehrenamtliche Energiebeauftragte.

Warum Grewer eigentlich nicht in der Kernernergie-Forschung geblieben ist, nachdem er seine Doktorarbeit beendet hatte? „Damals, kurz nach dem Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl, war schon abzusehen, dass die Atomenergie in Deutschland wahrscheinlich keine Zukunft hat.“ Man dürfe sich nicht auf eine einzige Dimension fokussieren, sonst ziehe man mitunter falsche Schlüsse: „Mit Kernenergie kann man Strom erzeugen, ohne Kohlendioxid in die Atmosphäre zu blasen. Die Endlagerung des atomaren Mülls ist aber ein ganz großes Problem.“ Zu dieser Zeit war er in Mannheim in einer Energiewendegruppe aktiv. „Wir haben uns damals mit Leuten aus anderen Städten zusammengetan und Passanten an Ständen in der Stadt informiert, allerdings nur auf lokaler Ebene.“ Ganz im Gegensatz zur aktuellen Jugend-Protestbewegung Fridays for Future: „Jeden Freitag auf die Straße zu gehen, halte ich für wenig sinnig. Sehr gut aber finde ich den koordinierten Protest in vielen verschiedenen Ländern; dass sich Schülerinnen und Schüler weltweit zusammenschließen und so Aufmerksamkeit für ihre Forderungen generieren.“

Mobilität eine wichtige Frage beim Einsparen von CO2

Am besten wäre es, wenn man den Energieverbrauch durch Effizienz runterschrauben könne, zum Beispiel durch Wärmedämmung an Gebäuden oder Autos, die weniger Treibstoff verbrauchen, erklärt der 27plus-Bufdi. Aber: „Der Energiebedarf steigt stetig: Verkehr, Gebäudeheizung, Strom.“ Gerade in Gebieten, in denen der öffentliche Nahverkehr schlecht ausgebaut sei, müsse man sich zusammenschließen und Fahrgemeinschaften bilden. Sei das Auto immer optimal ausgelastet, könne man auf dem Weg zur Arbeit sogar CO2 einsparen im Vergleich zur Busfahrt. Elektroautos seien für kurze Distanzen in Städten, z.B. bei Paketboten und Handwerkern sinnvoll. „Man muss aber immer drauf schauen, was sich der Normalbürger leisten kann. Das E-Auto ist leider noch keine wirkliche Alternative“, lautet seine Einschätzung.

Weitere Informationen zum Klimaschutz im Bistum Trier gibt es auf www.energiebewusst.bistum-trier.de. Die Möglichkeit, sich über ein freiwilliges ökologisches Jahr und freie Stellen zu informieren, gibt es auf www.soziale-lerndienste.de.

(ih)